4Z
gehaltvolle Lobgcdicht auf den Cöllnischen ErzbischofAnno ist- d. 2. Dec. 1076). Es scheint gegen Ende deSeilften oder im Anfange des zwölften Jahrhunderts, voneinem gedankenreichen, dichterischer Begeisterung em-pfänglichen, mit gelehrten Kenntnissen nicht dürftig aus-gestatteten Geistlichen verfaßt zu scyn, bestehet aus styStrophen in L70 Versen nach Schilter' 6 Abdruck, inL74 bcy Bvdmer, und zeichnet sich durch lyrischen Gangund epische Auswahl des Stoffes oder durch epischenChronikenstyl gleichmäßig aus. Der Dichter beginnetmit der Schöpfung und dem Sündenfalle, womit dieErlösung des Menschengeschlechts durch Jesus Christusuothwcndig geworden. Die Verbreitung des Christen-thums durch die Apostel und wie es auch zu dem fränki-schen Volke durchgedrungen, führet auf Anno und seinenerzbischöflichen Sitz zu Cölln. Bey der wehrhaften Festig-keit dieser Stadt wird verweilt und die Entstehungsge-schichte der Burgen seit Ninus und Semiramis einge-schaltet; das Bild der Großthaten erobernder Völker zie-het vorüber; tapferer Rittcrsinn spricht sich in schauer-lich lebendigen Schlachtgemälden aus und die römischeWeltherrschaft tritt hervor. Die Erinnerung an die Ver-suche, welche von den Römern zu Teutschlands Unter-jochung gemacht worden sind, leitet auf Erwähnung desFrankenvolkes und seine trojanische Abkunft; doch baldwird eingclenket und auf Julius Cäsar und Kaiser Augu-stus zurückgekommen; daß der Weltheiland unter dieserRegierung gcbohren wurde, gewahret einen schicklichenUebcrgang zu der auf dem Erdboden verbreiteten christ-lichen Religion, ihren Dienern und Anno; das Lob desfrommen Hirten wird gefeiert, sein Leben und Wirken,seine Leiden und Wundcrkräste werden geschildert; und