28
Gebräuchen, so weit sie uns uns glaubwürdigen lieber«liefcrungen und Andeutungen bekannt geworden, liegeteinfach- tiefer Sinn. Alles »enget für das Daseyn eineskindlich- geistigen Lebens, was in ihren heimathlichenKreisen vorhanden gewesen seyn muß; und wie solltensich die Teutschen nicht anschaulich Heller und freudigerdes bewußt worden seyn, als Verkehr, bald feindseligebald friedliche Wechselwirkung zwischen ihnen und Aus-ländern, namentlich den Römern, zunahm? Durch diezwischen dem Fremden und Vaterländischen angestellteoder vielmehr in frischesten Eindrücken sich selbst gestal-tende Vcrgleichnng mußte die Liebe zur Heimath und dieBeharrlichkeit in deren Sitte und Art gesteigert, stolzesSelbstgefühl genährt, Neigung zu abcnthcucrlichen Waf-fenuntcrnchmnngcn geweckt und verallgemeinert werden.So verbreitete sich teutschc Hcldcnmacht über das west-liche Europa und zerbrach das Römerjoch, welches großeLänder und Völker Jahrhunderte lang getragen hatten.Ehe wir die siegreichen teutschen Gefolgschaften überStröme, Berge, Meere begleiten und das Unterscheidendezwischen den ausgewanderten Schaaken und den in desVaterlandes Schooße Ansäßigen ins Auge fassen, mußmit wenigen Worten die Frage beantwortet werden: obunter den damaligen Teutschen Schriftgebrauch undSprachkunstwcrke angenommen werden dürfen. Schrift-gebrauch hat schwerlich statt gefunden; denn kein Bedürf-niß führte darauf hin. Aber daß Sprachkunstwerke vor-banden gewesen scyen, wird unbedenklich bejahet werdendürfen. Die Teutschen hatten Schlachtgesängc, wie wirauch bcy anderen Völkern auf ähnlicher Bildungsstufe an-treffen ; diese Bardiete stiegen von leisem Gemurmel biszum Toben einer Brandung; wenn sie angestimmt wur-