Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

15

gewartet werden sollte, bis das Ersehnte fertig ist, bisNolksfreyheit, Volksrecht, Volksleben unter uns vorhan-den sind; dem Biedermann ziemt, dahin zu arbeiten undjeder in seinem Kreise, nach seinen Kräften und Mittelnmitzuwirken, daß das, was werden soll, werde, wur-zele und frisch gedeihe.

Aber die höheren Stände, welche, reicher an Ein-sicht, gebildeter in Geschmack und Genuß, als Muster,Führer, Lehrer der Menge gelten/ haben für das Lebenihres Geistes und Gefühls eine andere Richtung, als dasVolk. Es muß die unfreundliche Frage aufgeworfenwerden: welche Richtung soll gelten? wer soll heraufoder herunter? wer soll annehmen oder aufopfern?Nöthiget vaterländische (Gesinnung und teutsche Bürger-pflicht , ein Verdammungsurtheil ohne Schonung undAusnahme über das zu sprechen, womit uns der freund-lich hehre Nachschall Griechenlands und Roms ausge-stattet hat und was wir von des Auslandes Kunstblütheuns zugeeignet haben? Hängt Rettung und Sicher-stcllung unsers vaterländischen Seyns und Lebens davonab, daß unsere Verbindung mit dem elastischen Altcr-thume und mit der, ihm meist verschwisterten Kunstfülleneuerer Völker abgebrochen und verfehmt werde? Sollenwir Teutschheit des Kunstlebcns in Sprache und Schriftdarin suchen, daß nur das, was tentschem Boden undLeben, tentscher Sitte und Sprache unbestreitbar ange-höret und entwachsen ist, als volksthümlich anerkannt,und Alles, was außer diesem Kreise liegt, verstoßen undals Verrath an des theuern Vaterlandes heiliger Eigen-thümlichkeit vernrtheilt werde?

Das kann nur wollen und hoffen, wer von der gei-stigen Eigenthümlichkeit unsers Volks, Wieste in der Wirk-