Einsicht werden dieselben Vorstellungen von dem, wasRecht, Wahr, Schön ist, bewahrt und gepflegt; Eiu-zclnheiten in bunter Mischung erwachsen zu Einem Gan-zen; unvermerkt entfaltet sich und erstarket kindliche An-hänglichkeit an dieser Gesammtheit, eine freyc, innigtiefe Achtung dafür vererbt von Geschlecht auf Geschlecht,und wenn auch durch neue Verhältnisse und äussere Ein-wirkungen der Zeit vielen Veränderungen unterworfen,doch von gleicher, eher wachsender als verringerterStärke; Familienleben und Häuslichkeit verschmilzet inVaterlandsliebe und Volksthum; der Mensch lebt, denket,handelt in den Gränzen der Eigcnthümlichkeit seines Vol-kes; für die Genossen Eines Stammbundes gilt Ein Ge-fühl, Ein Streben, Ein Gesetz, Eine Pflicht; das Ein-zelne stehet in unzertrennlicher Wechselwirkung mit demGanzen. So gestaltet sich das Seyn und Leben einesVolkes zu fortdauernder innerer Einheit; so schliesset sichmit unsichtbaren starken Banden die Gegenwart an Ver-gangenheit an; Alles, was kömmt und wird, an das,was gewesen ist und wodurch es bedingt wurde.
Wo solches inneres Volksleben gefunden wird, daspiegelt sich dasselbe ab in Gebilden der Sprache, inSchrift - und Kunstwerken; es drücket sich aus in Ahn-dungen und Meinungen, in Sprüchen und Sagen, inUeberlieferungen und Gesängen. Das wahrhaft Eigcn-thümliche des Volkskunstwesens in Bild und Sprachekann nur aus des Volkes innerem Seyn und Leben her-vorgehen und dieses wird durch solche Thatsachen in derErscheinuugswelt vcrsinnlicht und veranschaulicht, be-wahrt und verewigt.
Das Sprach-, Schrift- und Knnstwesen der Völkermuß, wie die Grundlage, woranf es ruhet, nach ur-