175
Grab meines Erlösers betrat, als ich in der Grottevon Bethlehem war; ich fühlte das Nämliche nun auchbeym Anblicke dieses heiligen Berges.
Wir waren noch sechs Stunden von ihm entfernt,und da es unmöglich war, ihn noch an diesem Tagezu erreichen, so ließ ich früher als gewöhnlich halten.Allein statt in meinem Zelte einige Ruhe zu genießen,verweilte ich, ganz in die Erinnerungen vertieft, die derSinai hervorruft, lange in der Betrachtung desselben,indem ich darauf harrte, meine Stirne in den Staubseiner Felsen drücken zu können.
Ich brachte einen Theil der Nacht damit zu, daszweyte Buch Mosis zu lesen. Ich habe jederzeit dieErzählungen des Moses bewundert; ich las sie hundert-mal und immer mit neuer Freude, immer mit derSehnsucht, sie abermals zu lesen; aber dennoch hätteich niemals geglaubt, daß sie für mich die Quelle einesso süßen Vergnügens werden könnten, welches sie mirin dieser glücklichen Nacht gewährten.
Am 25. befanden wir uns beym Anbruche des Ta-ges auf dem Wege. Nach einer halben Stunde ent-schwand der Sinai unfern Blicken, und man sah ihnnur noch bisweilen. Er ist von Bergen umgeben,die eine ganz besondere Form haben. Für den Anblick,den sie in der Entfernung, in welcher wir uns befanden,gewähren, kann ich keinen bessern Vergleich finden, alsden eines Meeres, dessen Wogen durch einen heftigenSturm zu einer außerordentlichen Höhe aufgethürmtund dann plötzlich versteinert worden sind. Dieses