318 A. Augustinus Bekenntnisse.
stattfand, und ein neuer Wille, daß er ein Geschöpffertigte, welches er nie zuvor gefertigt hatte, wie istdenn das eine wahre Ewigkeit, in welcher ein Willeentsteht, der nicht war? Aber Gottes Wille ist keinGeschöpf, sondern vor dem Geschöpfe; denn nichtwürde etwas geschaffen, ginge nicht der Wille desSchöpfers voraus. Zum Wesen Gottes selbst gehörtdaher sein Wille. Ist nun aber etwas im WesenGottes entstanden, was vorher nicht war, so wird inWahrheit jenes Wesen nicht ewig genannt. War aberder ewige Wille Gottes, daß ein Geschöpf sein sollte,warum war nicht auch das Geschöpf ewig?
Welche so sprechen erkennen dich noch nicht, o Weis-heit Gottes, des Verstandes Licht; sie erkennen noch nicht,wie das werde, was durch dich und in dir wird, underkühnen sich Ewiges zu verstehen, wahrend ihr Herznoch in verflossenen und künftigen Bewegungen derDinge herumschwarmt und eitel ist. Wer wird eshalten und anheften, daß es ein wenig stehe und inetwa erfasse den Glanz der immer stetigen Ewigkeit,sie vergleiche mit den nie stetigen Zeiten und sehe,daß sie unvergleichbar sei, und sehe, daß eine langeZeit nur durch viele vorübergehende Bewegungen, dienicht zugleich ausgedehnt weiden können, lang werde;Nichts aber in der Ewigkeit vergehe, sondern Allesgegenwartig sei, keine Zeit aber ganz gegenwärtig sei;daß er sehe, wie alles Vergangene durch Künftigesverdrangt werde, und alles Künftige aus dem Ver-gangenen folge, und alles Vergangene und Künftigevvn dem, was immer gegenwartig ist, erschaffen werde