Druckschrift 
3 (1925) Die merowingische und karolingische Zeit : 1. Teil: Siedelungsgeschichte
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

9- Kapitel

Die Besiedelung der Gebirge 21 )

Nachdem wir so die menschlichen Wohnstätten in ihrer mancherleiArt und Gruppierung kennen gelernt, auch die Verteilung und Gliederungder Fluren und ganzer Territorien wenigstens in Kürze behandelt.haben,wollen wir nunmehr größere Ländergebiete hinsichtlich des Gangs undSystems ihrer Besiedelung untersuchen. Wir müssen uns dabei aberauf die Besprechung der Gebirgslandschaften bechränken, da sich an siedie wichtigsten und interessantesten Fragen knüpfen und die Ebenenim Vorausgehenden schon mannigfache Berücksichtigung gefunden haben.

Auch hier sehen wir wieder, daß die Dichte der Besiedelung nichtnur vom geographischen Charakter und der Fruchtbarkeit des betreffen-den Landstrichs abhängt, sondern nicht minder von den historischen Er-eignissen, die manche Stämme und Völker zur Ansiedelung in bestimmtenGegenden zwangen oder verlockten. Es genügt deshalb nicht, die Ge-birge im allgemeinen zu erörtern, sondern wir müssen die einzelnen Ge-birgslandschaften besonders vornehmen.

Die wichtigsten Anhaltspunkte bieten außer den Reihengräbern undOrtsnamen die Markbeschreibungen und frühchristlichen Zellen- undKirchengründungen. Die ersteren nennen allerdings meist nur die Grenz-marken selbst, die gewöhnlich auf den Wasserscheiden in wenig be-siedeltem Gebiet liegen, selten die Ansiedelungen des Innern, doch ge-statten auch die Namen der ürenzpunkte einige Rückschlüsse. Wichtigersind die frühchristlichen Anlagen, teils an altheidnischen Kultstätten,namentlich auf Bergen und an Quellen, teils bei den neuen Siedelungen,an uralten Wegen usw., jedenfalls an Orten, in deren Nähe eine stärkereeinheimische Bevölkerung vorauszusetzen ist. Gerade in den Gebirgenhaben sich natürlich ältere Volks- und Kulturschichten besonders zähgehalten.

1. Der Sclnvarzwald.

Die Alamannen erreichten den Schwarzwald zuerst an seinen S ii d -osthängen, als sie von der oberen Donau in großen Massen sichgegen Südwesten vorschoben und erst- nahe dem Höhenkamm in der