7. Kapitel
Kirchen und Klöster 22 )
Die Kirchen und Klöster interessieren uns liier nur insofern, als siefür die Besiedelung und Kulturverbreitung von besonderem Einfluß waren,weniger nach ihrer geschichtlichen oder baulichen Entwicklung. Da dasChristentum in der spätrömischen Zeit im wesentlichen auf die Städtebeschränkt war, entstand auf dem Lande nach Zusammenbruch derRömerherrschaft eine große geistige Lücke. Die so zahlreichen römischenGutsbesitzer mit ihren Familien waren nach Gallien geflohen oder tot-geschlagen worden, eine große Schar von Sklaven und Bediensteten wirdsich mit ihnen aus dem Staub gemacht haben, es blieben hauptsächlichnur die Alteinheimischen, die zum Teil als Kolonen und Knechte auf denGütern gearbeitet hatten, ziemlich zahlreich in der Eifel, im Hunsrückund Westrich, viel dünner gesät am Rhein. Die neue alamannische undfränkische Bevölkerung huldigte zunächst mit wenigen Ausnahmen demHeidentum; nur ihre Führer und Teile der städtischen Einwohnerschaftwaren Christen. Für die Ausbreitung des Christentums von den städtischenZentren und einigen Klöstern wirkte der Umstand günstig, daß in fränki-scher Zeit nicht mehr der scharfe Unterschied zwischen Stadt und Landbestand, da auch in den Städten der größere Teil der Bevölkerung Land-wirtschaft trieb und auf dem Lande freie Bauern saßen mit denselbenRechten wie die Städter. Weiter war es sittlich wie politisch ein sehrweiser Entschluß der Kirche, ora et labora einander gleichzustellen unddurch Vorbilder in jeder Kultur- und Wirtschaftsarbeit überzeugte An-hänger zu gewinnen. Die Kulturarbeit, die von ihr in jenen Jahrhundertender ersten fränkischen Herrschaft geleistet wurde, wäre dem Staate alleinvöllig unmöglich gewesen, da' ihm der Zusammenhang mit dem Geistder Antike fehlte, den sich die Kirche durch alle Stürme der Völker-wanderungszeit gewahrt hat. Schon äußerlich hat die Kirche durch Bei-behaltung der römischen civitates als Diözesen und der römischen Pro-vinzen als Kirchenprovinzen Trier, Köln (mit Tongern), Mainz, Besangon(mit Windisch, Avenches, Lausanne) usw. diese Kontinuität angedeutet.Chur gehörte bis 843 zur Mailänder, von da ab zur Mainzer Kirchenprovinz.