4. Kapitel
Zur Geographie der RheinlandeOrts-, Fluß- und Bergnamen 10 )
Während wir für die römische Periode in der tabula Peutingeriana,in dem Werk des Ptolemäus und in den verschiedenen Itinerarien ver-hältnismäßig brauchbare Unterlagen zur antiken Geographie besitzen(II, S. 151 f.), müssen wir für die merowingische und karolingische Zeitin Ermangelung solcher dies Bild mosaikartig aus den einzelnen Schrift-stellernotizen, Urkunden und den ältesten Ortsnamen zusammensetzen,wobei natürlich große Lücken bleiben. Eine bescheidene, aber will-kommene Zusammenstellung ist allerdings in der Kosmographie einesanonymen Geographen von Ravenna aus dem VII. Jahrh. ge-boten, der Städte und Flüsse in der Francia Rinensis und in der patriaSuavorum, quae et Alamannorum vor 496 nach einer gotischen Quelle vor496 aufzählt. Leider fehlen alle näheren Entfernungsangaben der Orte, sodaß viel Unsicherheit besteht. Auch ist nicht ausgeschlossen, daß nachden römischen Unterlagen noch mancher Ort erscheint, der vielleicht nachder Mitte des V. Jahrh. nicht mehr existierte. Im Alamannenland sinddie Angaben ziemlich ausführlich für die West- und Südgrenze, offenbarweil hier die benutzten gotischen Geographen sich besser auskannten,dagegen für die anderen Grenzen und für das Innere sehr dürftig bzw.unsicher. Einige Beiträge liefern auch die Dichter, neben SidoniusApollinaris vor allem V enantius Fortunatus, der spätere Bischofvon Poitiers, wenn er seine römischen Vorbilder wie Ausonius auch nichterreicht.
Die wichtigsten Aufschlüsse bieten natürlich die frühmittelalterlichenGeschichtsschreiber und Urkunden sowie die heutigen Ortsnamen. Hier-bei ist selbstverständlich jeweils auf die älteste Form der Überlieferungsowie auf die Anhaltspunkte der Bodenfunde, namentlich der Reihen-gräber, zurückzugehen.
I. Merowingische Städte.
Die cosmographia Ravennatis anonymi (Riese, Dasrhein. Germanien in der antiken Literatur 1892, S. 409; Kauffmann II,S. 192 f.) hat für diese Zeit die gleiche Bedeutung wie etwa Ptolemäus