6. Kapitel
Städte, Dörfer, Höfe, Friedhöfe 1 ^
I. Die Städte.
Rom war am Qift der Großstädte und Großbetriebe, das den ur-sprünglich so gesunden Körper allmählich durchsetzte und auflöste,zugrunde gegangen. So traf es sich gut, daß die Germanenstämme mitländlicher Kleinwirtschaft anfingen und sich erst allmählich in dasstädtische Leben fanden. Die ersten vordringenden Alamannen miedennach Ammian noch die rheinischen Städte, wofür die Ruinen von Nida-lieddernheim und Augusta Rauricorum-Augst sowie die Umnennungvon Argentorate - Straßburg und Noviomagus - Speyer sprechen mögen.Die Ripuarier benutzten aber Köln seit etwa 457 als Königssitz, und in.Trier saß seit etwa 465 ein fränkischer Graf. Die eigentliche Kontinuitätwahrten aber weniger die schützenden Stadtmauern und städtischenAnlagen als die Einrichtungen der christlichen Religion, die Bischofssitzemit ihren Kirchen und Beziehungen zur alten Kulturwelt.
Die Topographie der merowingischen und karolingischenStädte hat nach langer Vernachlässigung erst in den letzten Jahren etwasmehr Berücksichtigung gefunden, ohne daß sich aber bereits anschaulichePläne zeichnen ließen. Bei den linksrheinischen Römerstädten ist aller-dings meist der römische Mauergürtel geblieben, wenn auch die Innen-besiedelung selten die ganze, von den Römern bewohnte Fläche aus-füllte. Bei den Toren und Stadtstraßen hat es sehr frühe Veränderungengegeben, da jetzt zum Teil andere Gesichtspunkte des Verkehrs undder Wirtschaft auftraten, doch sind die meisten römischen Haupttorebeibehalten worden, wenigstens deren Stellen. Die römischen Stadt-mauern wurden in den wenigsten Fällen von den Alamannen und Frankenniedergerissen, sondern meist erst im Verlauf des Mittelalters und derNeuzeit beseitigt, wie in Köln, Andernach, Mainz, Worms, Straßburgmanche heute noch fast bis zu den Zinnen erhaltene Partien beweisen.Die Schriftstellerberichte über die Verwüstung' der rheinischen Städtebeim Vandalendurchbruch 406 sind in dieser, wie mancher andern Be-ziehung arg übertrieben. Wohl werden die Mauer- und Tortürmemanchmal ausgebrannt oder umgestürzt worden sein. Auch im Innern