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2 (1923) Die römische Periode
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HI. Der Weinbau.

ln Gallien hatte sich die Rebenkultur von der griechischen KolonieMassalia aus schon früh über das Land verbreitet und wurde dann vonder römischen provincia Narbonensis noch lebhafter gefördert. Zunächstdrang sie das Rhonetal aufwärts, wo der allobrogische Wein von Pliniusbesonders erwähnt wird, andererseits in das Garonnegebiet (Aquitanien),wo der biturigische Wein in hohem Ansehen stand. Also schon damalswaren Burgunder- und Bordeauxweine als feine Marken gepriesen(E. Bassermann-Jordan, Gesell, d. Weinbaus unter besonderer Berück-sichtigung der Bayerischen Rheinpfalz, 1907, S. 15 f.). An den Rhein ge-langte der Weinbau sowohl durch das Sequanerland und das Elsaß, wiemoselabwärts durch das Mediomatriker- und Treverergebiet, spätestensbis gegen Ende des 11. Jahrli. n. Chr., also lange vor Kaiser Rrobus (276bis 282), der gewöhnlich als Bringer der rheinischen Reben gilt. Wennvon Probus überliefert ist, daß er den Galliern und Pannoniern Wein-berge gestattete (vineas Gallos et Pannonios habere permisit) und daßer selbst solche durch das Militär anlegen ließ, so will das nur heißen,daß er gegenüber den früheren italischen Monopolbestrebungen, derenGesetze aber nur auf dem Papier standen, volle Freiheit den Provinzengab und selbst in jeder Weise den Weinbau förderte. Beweisen auchdie bei Mainz, auf der Saalburg und sonst in römischen Schichten ge-fundenen Weinkerne und Rebenzweige oder eine Inschrift aus einemWeinberg bei Weisenau Libero Patri keineswegs ohne weiteres dortigenRebenbau, da ja getrocknete Trauben (duracinae) aus Italien eingeführtwurden und jene Inschrift, wenn sie überhaupt antik ist, von jedem Wein-freund gestiftet werden konnte, so zeugen doch zahlreiche, mit römischenKleinfunden vergesellschaftete Winzermesser und die oben erwähntenWeinkeller und 'Weinkeltern in römischen Villen sogar auf dem rechtenRheinufer für einen früheren Weinbau am Rhein und darüber hinaus.Allerdings hat er durch Kaiser Probus einen bedeutenden Aufschwunggenommen, wie später durch Karl den Großen. Dies läßt sogar die römi-sche Keramik erkennen, die in Trier und Rheinzabern gerade gegen Endedes III. Jahrli. eine Masse von Trinkbechern und Weinkrügelchen mit humo-ristischen oder gutgemeinten Trinksprüchen auf den Markt warf. Erwähntsei nur die Aufschrift eines Krügleins im Provinzialmuseum Bonn: mische,aber schone das Wasser (niisce, sed parce aquam), offenbar von einemgermanischen Moselaner, die heute es noch nicht verstehen, wenn manihrem „Moselblümchen“ Wasser zugießt, während die echten Römer denWein stark zu mischen pflegten (vgl. B. Keune, Trierische Chronik XVI,11, S. 169). Auch die Herübernahme vieler römischer Bezeichnungen fürdie Weinkultur in die deutsche Sprache wie Wein — vinuin, Most —mustum, Kufe — cupa, Keller — cellarium, Kelter — calcatorium, Winzer— vinitor usw. und ebenso gewisse besondere Behandlungsweisen derReben in manchen Gegenden bestätigen die frühe bodenständige Wein-