die Besiedelungs- und die Kulturgeschichte, indem sie die ersteren nachvielen Richtungen ergänzen. Daher liegt keine Veranlassung zu einerwesentlichen Abweichung von der dortigen Stoffeinteilung vor, wennauch die Siedelungstypen der größeren, jetzt herrschenden Einheitlichkeitwegen auf die Hälfte beschränkt werden können. Natürlich braucht dasItalisch-Römische, das bei der größeren oder geringeren Gleichartigkeitder römischen Kultur in den verschiedenen Provinzen schon oft ein-gehende Darstellung erfahren hat, nicht in allen Einzelheiten vorgeführtzu werden. Es genügt vielmehr, die römische Kultur in ihren wichtigerenErscheinungen zu skizzieren und nur da etwas ausführlicher zu schildern,wo sie ein besonderes landschaftliches Oepräge annimmt, wie auch diekunst- und religionsgeschichtlichen Fragen nur insoweit erörtert werden,als sie die ganze Kultur- oder Siedlungsentwicklung der Rheinlande beein-flußt haben. Neben dem überragenden Römischen darf aber auch das be-scheidenere Germanische nicht zu kurz kommen, das gerade für diesePeriode bei den meisten bisherigen Darstellungen nur stiefmütterlich be-handelt worden ist. Nach der ganzen Sachlage gebührt somit der Siede-lungsgeschichte auch in diesem zweiten Bande der Vortritt.
Konnte in der Einleitung des ersten Bandes auf A. Dopsch’s um-fassendes Werk über die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen dereuropäischen Kulturentwicklung, dessen erster Band 1922 in zweiter Auf-lage erschienen ist, als Vorbild solcher kulturgeschichtlichen Zusammen-stellungen hingewiesen werden, so möchte ich mich heute auf Albert vonHofmanns prachtvolles Buch „Das deutsche Land und die deutsche Ge-schichte“ (1920) beziehen, das in wundervoller Weise den „Zusammen-hang zwischen Gelände und Geschichte“ aufdeckt und „das Verständnisfür die selten reiche historische Mannigfaltigkeit in unserem Vaterlandezu wecken und damit der sinnlosen Verwüstung alles Alten, und seien esauch nur alte Bezeichnungen, entgegenzuarbeiten“ sich bestrebt. Auchdie feinsinnige geographisch-historische Behandlung der Wetterau durchGeorg Wolff sei hier hervorgehoben, wie sie namentlich in dem AufsatzArch. f. hess. Gesch. 1920 zum Ausdruck kommt.
Der vielfach ausgesprochene, voll berechtigte Wunsch, daß das Buchnicht nur den Interessen der Fachgenossen, sondern auch weiteren Kreisender Gebildeten, insbesondere der Schule dienen möge, hat außer in derForm der Darstellung noch dadurch Berücksichtigung gefunden, daß vieleumstrittene Stellen namentlich bei Cäsar und Tacitus vom archäologischenStandpunkt aus etwas eingehender beleuchtet werden. So ist manche bisjetzt weniger bekannte Tatsache in ein schärferes Licht gerückt worden.
Für die Literaturnachweise ist mein Buch „Materialien zur Besiede-lungsgeschichte Deutschlands (Katalog 5 des Central-Museums 1913, zurZeit vergriffen) wieder als bekannt vorausgesetzt, so daß im allgemeinennur die seitdem erschienenen Arbeiten angegeben werden, und zwar mög-lichst in den Anmerkungen.