Druckschrift 
Chronik der Familie Johann Jakob Langen in Köln : auf Grund handschriftlicher Aufzeichnungen, der Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Marienberghausen, Mühlheim am Rhein und Bergisch-Gladbach sowie persönicher Mitteilungen im Frühjahre 1899
Entstehung
Seite
45
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durch die Stadt, im Jahre 1873, trat Eugen Langen der Verwaltungs-Deputation bei und entfaltete alsMitglied derselben eine angestrengte Thätigkeit. Unter seinen Mitbürgern und Fachgenossen halte er denRuf eines stets hilfbereiten Beraters. Als dem grossen wirtschaftlichen Aufschwünge zu Anfang dersiebziger Jahre bald ein verhängnissvoller Zusammenbruch folgte, war es Eugen Langen, der bald hier,bald dort mit grösster Sachkenntniss und Geistesgegenwart rat- und thatkräftig eintrat, sodass zahlreicheindustrielle Etablissements ihm ihre Rekonstruktion zu verdanken haben.

Eugen Langen war von mittlerer Mannesgrösse und wohlgebildeten Körperformen. Er war seinganzes Leben hindurch ein grosser Freund körperlicher Uebuugen, durch welche er sich bis an sein Endeeine seltene Frische und Geschmeidigkeit bewahrte. Er war ein tüchtiger Schwimmer und Jäger und einganz hervorragender Reiter. Sein Kopf war aussergewöhnlich gross und von edler Schönheit. Haar undBart waren dunkelbraun, weicli und lockig ; sein zugleich feuriges und mildes Auge konnte in echtemHumor halb weinen und halb lachen. Als echter Sanguiniker lebte er ganz den Aufgaben der Gegenwart,war sich aber seines Zieles stets bewusst und gedachte in dankbarer Rückerinnerung der Vergangenheit.Sein thatkräftiger, energischer Wille und die Milde und Güte seines Wesens waren zu einem harmonischenGanzen verbunden. Er war als Kind liebenswürdig, als Jüngliog in überströmender Kraft voll Lebens-freude und harmlosen Scherzes, als Mann klar und besonnen, der beste Gatte und Vater. Die kurzenStunden, welche er seiner Familie widmen konnte, waren um so reicher und genussbringender, als er indenselben ganz in ihr aufging. Er sang gern in gemütlicher Abendstunde Lieder von Schubert, Haydnund andern Klassikern mit schöner, ansprechender Baritonstimme und genoss kleine musikalische Vorträgeseiner Kinder mit ganzer Seele. Mit knappen, treffenden Worten wusste er sie auf diese und jeneErscheinung des Lebens und der Naturwissenschaften aufmerksam zu machen und ihnen das richtigeVerständniss dafür zu geben. Vor allem aber pflegte er in ihnen das Gefühl lebendiger, zarter Liebes-gemeinschaft. Zum Geburtstage der Gattin, den Hochzeiten der Kinder floss ihm oft ein originelles,kleines Gedicht aus der Feder, das lebhaft und frisch empfunden, den Eindruck niemals versagte. SeineRednergabe war nicht allein im Familienkreise von der liebenswürdigsten, anziehendsten Art, sie ver-mochte auch im öffentlichen Leben aufgeregte Stimmungen zu beruhigen, das Empfinden seiner Mit-menschen zum bewussten Ausdruck zu bringen und alle Geister zu beherrschen. Als tüchtiger Bürgerseines Vaterlandes und echter, deutscher Mann nahm er an der Wiedergeburt Deutschlands und dengrossen Erlebnissen der Jahre 1870 und 1871 den lebhaftesten Anteil. Allen, die ihn das damalsentstandene Lied: »Germania, du schönes, stolzes Weib« in glühender Begeisterung singen hörten, wirddies unvergesslich bleiben. Im Verkehr mit Ausländern, besonders Engländern und Franzosen gegenüber,hat er manchmal unter sehr schwierigen Verhältnissen, bei allen geschäftlichen Transaktionen denStandpunkt eines echten, treuen, deutschen Mannes niemals verlassen. Zugleich aber bewundertendiese Ausländer seine Fähigkeit, schwierige Fragen in fremder Sprache mit grosser Leichtigkeit zubehandeln und zu gutem Ende zu führen; auch sie konnten dem Zauber seines Wesens und der Schärfeseines Verstandes nicht widerstehen und mussten seine Ueberlegenheit anerkennen.

Er hatte das Glück und das Geschick — denn Glück, sagt Moltke, hat auf die Dauer nur derTüchtige —, fast überall geeignete Leute für seine Zwecke zu finden, und er bosass die nötige Klugheit,um die für tauglich befundenen Vertrauensmänner auch mit der erforderlichen Selbständigkeit arbeiten zulassen. Immer geistesfrisch und schlagfertig verstand er es meisterhaft, gewissermassen als Feldherr denSchlachtplan zu entwerfen und in grossen Zügen die Wege zu bezeichnen, die Ausführung aber andernzu überlassen. Ohne jede kleinliche Aengstlichkeit, welche so oft dem Erfolge hindernd im Wege stellt,