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Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
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Die Costerlegende.

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indessen hingen die Holländer fest an ihrem Glauben, suchten alte,schlechte, undatierte Drucke zusammen, welche sie ihrem ErfinderCoster zuschrieben, und errichteten diesem Standbilder.

In neuerer Zeit wurde durch einen Harlemer, A. van der Linde,welcher reformierter Pastor in Amsterdam gewesen war, auf Grundarchivarischer Studien nachgewiesen, dass ein solcher Coster gar nichtexistiert hat; seine »Costerlegende«, welche 1870 erschien, machteein gewaltiges Aufsehen, und ein anderer Harlemer, J. H. Hessels,Bibliothekar in Dublin, übersetzte sie ins Englische. Van der Linde,welcher diese seinen Landsleuten ohnehin peinliche Frage durch dieGehässigkeit seiner Polemik noch verschärft hatte, wurde in seinemVaterlande unmöglich, er ging nach Deutschland, gab sich als Mär-tyrer seiner Forschungen aus und wurde Oberbibliothekar in Wies-baden. Hier schrieb er 1878 ein dickes Buch: »Gutenberg«, welchesaber zum grössten Theil mit der breitgeschlagenen Costerlegendeausgefüllt ist, und 1886 die »Geschichte der Erfindung der Buch-druckkunst« in drei starken Quartbänden, deren grössere Hälfte wieder dernoch breiter ausgedehnten Costerlegende gewidmet ist. MerkwürdigerWeise hatte das letztere Buch die Folge, dass Hessels, welcher schondurch den »Gutenberg« 1882 zu einer kritischen Gegenschrift: »Guten-berg, war er der Erfinder der Buchdruckerkunst?« veranlasst wordenwar, mit der Schrift »Harlem, die Geburtsstätte der Buchdrucker-kunst« auf den mit der Costerlegende verlassenen holländischen Stand-punkt zurückkehrte, indem er sich darauf stützte, dass nach derCölner Chronik die in Holland gedruckten Donate das Vorbild derin Mainz erfundenen Buchdruckerkunst gewesen seien.

Glücklicherweise kommt es jedoch bei dieser Frage wenigerauf die Anschauungen der Schriftsteller, als auf die Thatsachen an,welche sie veröffentlichen, und die Thatsachen, welche van der Lindegegen Coster vorgebracht, und welche Hessels durch die Uebersetzungder Costerlegende zu den seinigen gemacht hat, reichen vollauf hin,die Erfindung der Buchdruckerkunst durch einen gewissen Coster alseine Geschichtsfälschung zu bezeichnen.