Druckschrift 
Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Geschnitzte Holzbuchstaben.

41

dass es im Jahre 1457 eine Schrift von der Grösse und Stärke deszweiten fr nicht gegeben hat; es gab nur zwei Psaltertypen, eine grosseund eine kleine, die Alphabete auf S. 40 zeigen dieselben, zugleich aberauch, dass die Grössenunterschiede viel auffallender sind als bei denzwei fr in i'ülitiiöit. Die Herren irren sich, wenn sie glauben, ich stellemit demselben Leichtsinn wie sie Behauptungen auf.

Auch in den Drucken späterer Zeit glaube ich Holzbuchstabenbegegnet zu sein, und zwar in den Auszeichnungsworten, welche zuAnfang eines Buches oder als Ueberschriften der Capitel mit grösseren,besonders mit Missalbuchstaben, gedruckt wurden. Bei den wenigenBuchstaben, welche man dazu bedurfte, mochte sich das Herstellenvon Punzen, Matrizen und gegossenen Buchstaben nicht lohnen, undes war natürlich, dass man dieselben ebenso wie die Initiale in Holzschneiden liess. Dass manche Büchertitel ganz in Holz ge-schnitten sind, ist ja gar kein Zweifel. Vielleicht hat man Buch-staben auch in Blei schneiden lassen? Aber diese Frage ist Neben-sache; Hauptsache ist, darzulegen, dass es denkbar war, Buchstabennicht erst zu giessen, sondern zu schneiden. In dieser Beziehungkann ich darauf hinweisen, dass ich für den Druck meiner BücherHunderte von Buchstaben habe in Blei schneiden lassen müssen, weilfür dieselben Stempel und Matrizen nicht vorhanden waren und weilein Stempel zu schneiden 2 bis 3 Gulden, ein Bleibuchstabe aber nureinen halben Gulden kostete; kamen solche Buchstaben häufiger vor,so wurden von ihnen Matrizen abgenommen und aus diesen Buch-staben gegossen, der Stempel blieb immer erspart.

Es fragt sich nun, ob es möglich sei, Holzbuchstaben so herzu-stellen, dass sie wie Bleibuchstaben gesetzt und zum Druck verwendetwerden können. Dass ich einen Versuch gemacht habe, diese Fragezu lösen, indem ich zwei Zeilen der 36 zeiligen Bibel als einzelne Holz-buchstaben schneiden liess, ist mir zum Vorwurf gemacht worden,man spottete darüber, dass ich hätte »nacherfinden« wollen. Aberdieser Spott ist nur ein Beweis, dass man in den Kreisen dieser For-scher noch sehr fern von der exacten Methode der einzigen positivenWissenschaft, der Naturforschung, ist. Die Naturforschung ist durchPrüfung und Versuche zu Erkenntnissen gelangt, bei unseren Guten-