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Indessen war es freilich damals eben nichts Ungewöhn-liches, anch Protestanten unter den Kaiserlichen Fahnenund ausgezeichnet zu sehen. (Man denke, abgesehen vonfürstlichen Personen, nur an Holzapfel-Melander.)
Anch tritt hier der durchschlagende Umstand entgegen,daß des Bartold Otto Sohn, der Oberftwachtmeister Voll-rad Jobst v. d. Decken, sowie dessen Söhne (außer AdamAdolph) und fernere Nachkommen bis 1775 als Protestan-ten erscheinen, wenn man dieses nämlich — wie wohl nichtzu bezweifeln — daraus folgern darf, daß, wie constirt,alle in ihrer Familie auf ihrem Wohnsitze zu Mittelhausenerforderlich gewordene religiöse oder kirchliche Handlungen— Taufen, Copulationen, Beerdigungen — von dem dor-tigen protestantischen Geistlichen vorgenommen und in dasMittelhänser protestantische Kirchenbuch eingetragen wordensind.
Jedenfalls war auch Barthold Otto's zweite Ehefrau,Maria v. Köttschan (f 1705) eine Protestantin. Denn sieließ als Wittwe 1696 ans ihren Mitteln in der — seit1530 — lutherischen Kirche zu Mittclhausen einen neuen 'Kirchenstuhl „für sich und ihr Frauenzimmer" erbauen, wel-cher aus 5 Sitzen bestand. (Vcrgl. Beschreibung des Gu-tes Mittelhansen.)
Dagegen war die Ehefrau'des gedachten Oberstwacht-meisters Vollrad Jobst v. d. Decken, Liberia Elisabeth v.Hanxleden, allerdings eine Katholikin, und diese, glaube ich,ist es gewesen, welche es durchgesetzt hat, daß wenigstensihr ältester Sohn, der nachherige Chnrtölnische Oberstlieute-nant Adam Adolph v. d. Decken ('s 1745) inder katholischenReligion erzogen worden ist und dieselbe auf seine Nachkom-men — den jetzigen Oldenbnrger Zweig — vererbt hat.
Wie außergewöhnlich und abnorm es damals nicht nurin dem ganz lutherischen Sachsen überhaupt, sondern ins-besondere anch in Mittelhausen und in der dort wohnendenDccken'scheu Familie war, einen Katholiken unter sich zu er-blicken, das erweiset folgender Vorfall, welcher im Mittel-hänser Kirchenbuche berichtet wird:
Im Jahre 1691 wollte oben gedachte Liberia Elisa-beth v. Hanxleden „des Hochedetn Herrn Vollrath Jost vonder Decken ans Mittelhansen Obristwachtmeisters Ehelicbste"bei irgend einem Kinde als Gevatterin stehen. Da fand sich,daß sie eine „Papistin" sei. Dieses erregte großen Anstoßund große Bedenken. Erst „ans specielle Concession desConsistorii" ward sie zu solcher Gevatterschaft zugelassen. —Als dagegen ihr jüngster Sohn Georg Otto 1695, und ihr2. Sohn Adam Ernst Anton 1699 in derselben Kirche zu
Gevatter standen, wurde nichts dabei erinnert und erschiendas ganz in der Ordnung. Schon allein ein Beweis, daßbeide lutherisch geblieben waren.
Was nun den bcregtcn KölnischenOberstl. Adam Adolphv. d. Decken (den ältesten Sohn des Oberstwachtmcistersund der Hanxleden) betrifft, so wird seiner in dem MittelhäuserKirchenbuche nirgend erwähnt, was freilich leicht zu erklären,indem er schon lange vor dem Jahre 1689, mit welchemJahre jenes Kirchenbuch erst beginnt, geboren war, seineHcirathcn und sein Tod aber in fremden Ländern Statthatten, er anch — vielleicht überdem schon jung von Hansegekommen -— in auswärtigen Militärdiensten stand und sichwohl selten in Mittelhansen aufhalten mochte. (Es könnteaber anch sein gänzliches NichtVorkommen im Kirchenbuchehu. gerade und wiederum ein Zeichen davon sein, daß ereinen andern Glauben hatte.)
Diesen also halte ich für den ersten Decken — von derjetzt in Rede stehenden Branche —, der wieder katholischwurde. Möglich bleibt es indessen immer noch, daß er nichtschon durch seine Mutter, sondern erst durch eine seiner Ge-mahlinnen, namentlich durch die erste derselben, Elisabeth deChanoin, zum Katholicismus zurückgeführt worden ist, oderdaß gar erst seine Kinder durch letztere dazu herangebildetsind.
II. Der jetzige Preußische Zweig der V. Linie bestehtausschließlich nur aus den Kindern des 1840 verstorbenenRittmeisters und Landraths Friedrich Raban Wilhelm An-ton v. d. Decken. Diese wissen nicht, wann und durch welcheVeranlassung ihre Vorfahren katholisch geworden sind. Denndaß dieselben stets katholisch geblieben und zu keiner ZeitProtestanten gewesen seien, behaupten sie nicht. Vielmehrglaubte der Dr. msck. Leopold v. d. Decken in Ratibor sol-ches verneinen zu müssen, aber nur aus dem Grunde, weilihr Ahnherr, der Oberstlieutenant Claus Heinrich v. d.Decken (ch 1647), zuerst in Schwedischen, dann in Br.-Lüncbnrgschen, dessen Sohn Johann Rudolph aber als Oberstin Brandenbnrgschen Diensten gestanden habe, welches bei-des wohl nicht der Fall gewesen sein würde, wenn dieselbennicht lutherisch gewesen wären. Er vermuthet, daß durchHedwig Katharina Spiegel v. Pükelsheim, die katholischeGemahlin des eben gedachten Oberst Johann Rudolph v. d.Decken, der Katholicismus zuerst wieder in die Familie ge-bracht worden sei.
Mir selbst fehlen alle Mittel, ein Mehreres, als ge-schehen, zur Beseitigung dieser Ungewißheiten und zur Auf-klärung dieses Gegenstandes beizutragen.