Druckschrift 
Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

Familie zuerst urkundlich auftritt, sondern auch, weil dortder Ort Alten-Decken liegt. (Vergl. Abschn. 1 Z 1.)

Man könnte aber auch auf eine Würde, auf diejenigeeines ckooanns, Dechanten, recurriren. Dekcn ist der platt-deutsche Ausdruck für cksoanns oder cksaoonns. UnzähligeMale findet man in Urkunden z. B. Friedrich de Deken,Hinrich de Deken, für Friedrich, Hinrich, der Dekan. Auchhaben in der That mehre, wenigstens ausländische Familienihren Namen von cksoainm bekommen, so die Decaens inFrankreich und die Deacons in England. Aber, wenn manunsern Namen von cksoanns herleiten wollte, so wäre dochnicht zu erklären, warum von der Decken geschrieben wird;es müßte dann doch wenigstens von dem Decken heißen, oderrichtigerde Deken" (wie de Rese d. h. der Rieseim Osterstadischen).

Eventuell bleibt nichts anderes übrig, als ganz einfachan eine Bedeckung, an eine Decke zu denken. Wenn andereFamilien, wie die von der Wiese (Wisch), von dem Busche,von dem Hause (äs ckon.ro), von der Burg (cks nrlrs), vonder Mühleu (Möhlen) ihren Namen einem beliebigen Gegen-stande entlehnt haben, warum hätten die Deckens sich nichteben so gut nach einer Decke benennen sollen? Findet oderfand man doch auch Familienvon dem Huthe" undvonKappe" gleichfalls Bedeckungen.

Uebrigens erscheinen bei den Kehdinger adelichen Fa-milien die Vorwörtervon der" undvon dem" nur selten(sie bedienten sich, wie schon bemerkt, mit wenigen Ausnahmennicht einmal desvon"). Von den dahin gehörigen vondenen auch nur höchstens die v. d. Wisch und v. d. Vorfieleigentliche Kehdinger waren weiß man aber doch zugleich,woher und auf welche Weise ihnen solche Namen und Vor-wörter geworden sind, oder, man weiß den Grund ihrer sozusammengesetzten Namen.

1) Die von der Wisch nannten sich nach einer Wiese(plattdeutsch Wisch).

2) Die von der Mehden, welche sich früher von derMedem schrieben, heißen ohne Zweifel so nach der Medem,einem Flusse im Lande Hadeln.

3) Von der Beck oder Becke.Die Beke" bedeutet imPlattdeutschen soviel wieder Bach".

4) Von dem Borstel. Borstet ist Wohl abzuleiten vonBauer- (plattdeutsch Bur-) Stelle, oder von Burgstelle, ehe-mals Burgstall genannt. Letzteres würde am füglichsten er-scheinen, weil anderen Falles die von dem Borstel sicheigentlichvon der Borstel" hätten schreiben müssen. Esward mit dergleichen freilich nicht immer so genau genommen.So findet man auch Familien, die sichvon dem Becke"nennen (wie auch noch invon dem Knesebecke"), wo dennWohl das hochdeutscheder Bach" vorgeschwebt haben mag.Daß die von der Kuhla sich nicht von dem (Orte) Kuhlanannten, dürfte daher kommen, daß bei Kuhla an eine Burggedacht ist, also von der (Burg) Kuhla. Die große Blasse

der Ocrter, welche Borstel heißen, läßt sich übrigens ameinfachsten erklären, wenn man den Namen von Baucrstclleherleitet. Jedenfalls ist gewiß, daß an vielen solcher Ocrternie eine Burg gestanden hat.

5) Die von der Pahlen gehören, da sie aus Lieflandstammen, nicht hicher. Die bezügliche Kehdingsche Familiehieß bloß von Pahl, oder richtiger nur Pahl, Paal (Pfahl).

6) Von der Döse. Diese Familie scheint Mushardzum Kehdingschen Adel zu rechnen, indem er sagt, daß vonihr der Kehdingsche Strich Landes, welcherDöse" genanntwerde, seinen Namen habe. Es dürfte hierbei aber einIrrthum obwalten. Die einzigen Mitglieder der fraglichenFamilie, welche (gleich mir) Mushard kennt, findet er ineiner Urkunde ck<z 1227 (reotins 1219). Diese ist jetzt imHamburger Urkundenbnche (eck. Lappenberg) abgedruckt.Darin erscheinen unter vielen Ministerialen des Brem. Erz-bischof Gerhard II. auch: H. de Dose, Johannes et Jacobde Dose (nichtvon der Döse"). Da sonst gar keine Keh-dingsche Familien dort aufgeführt sind, so ist doch Wohl keinhinreichender Grund vorhanden, bloß wegen Aehnlichkeit derNamen Dose und Döse ohne Weiteres die Dose in's Keh-dingsche zu versetzen.

Vielleicht, daß Dose synonym mit Dus ist. Eine Fa-milie Dus kommt zur selben Zeit vielfältig im gedachtenUrkundenbuche vor. Auch erscheint dort öfter der NameDoso, z. B. im Jahre 1225 Ooircknrm I)c>sc> im Gefolgedes Grafen von Holstein.

Beiläufig bemerke ich noch, daß die einzigen Familienauf der Bremischen Geest abgesehen von einigen schonfrüh ausgestorbenen, wie die von der Borg und von derOsten, deren Namen selbstredend sind, welche sich derVorwörtervon der" bedienten, außer den oben gedachtenv. d. Kuhla, folgende waren:

1) Die von der Lieth, welche wahrscheinlich ihren Na-men von der Ortschaftdie Lieth" hatten. Dieses Dorfgehörte früher zu den Gütern des St. Gcorgs-Klosters inStade. Als solche eingezogen wurden, ward jenes Dorf derStadt Stade überlassen. Diese verkaufte es 1649 an denKammerrath v. Höpken, von welchem es der FeldmarschallHans Christoph v. Königsmark an sich brachte und ihm zuEhren seiner Gemahlin, Agathe v. Lehsten, den Namen Aga-thcnburg gab. (Gegenüber im Holsteinschen liegt oder laggleichfalls ein OrtLieth".)

Ein ingeniöser Schriftsteller hat den Namenv. d.Lieth" von dem griechischen litllos, Stein, hergeleitet, weilder Kranich im Lieth'schen Wappen einen Stein trägt.

2) Die von der Hude führen ihren Namen von demOrtedie Hude", welchen sie nachher, zum Unterschiede vonFischerhude und sonstigen Hude's, Ritterhudc nannten. Hudebedeutet so viel wie villa oder praockinin, aber auch Schutz.