Der unerschöpfliche Reichtimm an harmonischen Ge-danken, die Gewissenhaftigkeit und Strenge in der Dar-stellung und die fromme Vertiefung in den Gegenstandderselben lassen den alten Meister nahe den Marksteinenseines Lebens in einem ehrwürdigen Lichte erblicken, daseinen verklärenden Schein auf den letzten Rest seinerJahre wirft.
Unsrer Zeit ist es nicht gegeben, von dieser kunst-vollen Composition praktischen Gebrauch zu machen.Mochten dafür diejenigen, die sich der Kunst widmenwollen, um so mehr aus derselben zu lernen suchen, daaus ihr so sehr viel zu lernen ist. Dies würde nicht allein„die beste Belohnung für die Mühe sein, die derVerfasser sich bei der Ausarbeitung gegeben,"es würde auch dieses eine Resultat schon den Versuchrechtfertigen, das Andenken Emanuel Bach's und seinerWerke der lebenden Generation in das Gedächtniss zu-rückzurufen.
g) Die Choral-Melodien.
Bach hatte, wie die Vorrede zu den Litaneien sehrbestimmt nachweisst, dem Chorale ein lebhaftes Interessezugewendet. Er, der für die Privat-Andacht, für die Er-bauung frommer Gemüther durch die Meisterleistung seinerdrei geistlichen Liedersammlungen so viel gethan, hatteauch dem Kirchenliede, in dessen Uebung er gross ge-worden war, seine Thätigkeit nicht abgewendet. Für dasSchleswig-Holsteinische Choralbuch von 1785 hatte er zahl-reiche Choräle gesetzt, und zwar so, „dass die dort abge-druckten Melodien einestheils ganz neue, grösstentheilsaber alte waren, wovon einige des Sylbenmaasses wegen
trachtet ist der empfindungsreiche Witz des Componisten auch hierinbewundernswert^ und ich möchte nicht, dass Hr. E. B. diesen Finger-zeig für junge Künstler, die so gerne blindlings nachahmen, als einenhämischen Tadel ansähe; denn es ist ihm gewiss niemand aufrichtigerdankbar für dies Werk als ich."