Druckschrift 
1 (1868)
Seite
313
Einzelbild herunterladen
 

313

die praktische Weisheit des alten Musikers thun, der beidem schwierigen und wegen der Länge und Eintönigkeitdes Textes, des Silbenmaasses und der Melodie, die Ermü-dung des Zuhörers keineswegs ausschliessenden Werkedie sichere Ausführbarkeit in erste Linie stellte und sichwohl gehütet hat, die harmonische Wirkung derselbendurchübertriebenes Suchen" in Frage zu stellen.Der Zweck, den er im Auge hatte, sc.hloss die Polyphonieaus. Im homophonen Styl, der in dieser merkwürdigenGomposition vorherrscht, ist bezüglich des harmonischenReichthums das fast unglaubliche geleistet worden.

Die Original-Partitur ist mit der von hohem Alter zit-ternden Hand, aber sehr sauber geschrieben.

Der umfangreiche Inhalt der ersten (alten) Litaneienthält nicht weniger als 58 Sätze und Gegenchöre, diezweite Litanei 4-2 Chöre und Antworten, welche mitunterbis zu 37 Takten langsamen Zeitmaasses ausgedehnt sind.

Man findet in beiden Litaneien Ausdrucks-Bezeich-nungen angegeben. Wenn man deren geringes Maass denin den Richard Wagner'schen Opern so beliebten Be-zeichnungen (man betrachte bloss den ersten Act desLohengrin') gegenüberstellt, so muss man sich sagen, dasshier, wie in der klassischen Musik überhaupt, die eigent-lichen Ausdrucks-Bezeiclmungen in den Inhalt, nicht aberin äusserlichen Vorschriften gelegt sind.

Die Motive der Musik sind sehr einfach. Sie ver-ändern sich nur selten in dem durch die Declamation her-beigeführten abweichenden Rvthmus.

!)Mit Feierlichkeit, sehr feierlich, sehr wichtig, mit sehr feier-lichen Schritten, mit feierlichem Grauen, sehr gerührt, lebhaft (5 malkurz hintereinander), sehr lebhaft, mit feierlichem Entschluss, in feier-licher Stimmung, langsam, sehr langsam, sehr ernst, noch bestimmter,mit grosser Feierlichkeit und feierlichster Andacht, in grosser feier-licher Aufregung" etc. etc.