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Cantate am 10. Sonntage nach Trinit.: Herr, Deine Augensehen nach dem Glauben, zum Theil von Seb. Bach(unter dessen Gantaten mit aufgeführt!.
Nach dem absoluten wie dem relativen Werthe diesernicht geringen Zahl von Arbeiten ist die künstlerischeStellung zu bemessen, welche die Nachwelt EmanuelBach als kirchlichem Tonsetzer zuerkennen darf. DiePrüfung derselben wird mancherlei bedenkliche Seiten zurErscheinung bringen. Wenn es auch schwer genug ist,den Sohn von den Antecedentien des Vaters und seinerübrigen rühmlichen Vorfahren zu trehnen, so wird mandoch auch nicht umhin können, des Fortschritts zu ge-denken, den eine namhafte Entwicklung« - Periode derkirchlichen Musik, getragen durch Männer wie SebastianBach, Händel, Telemann, Graun, für die Kunst noth-wendiger Weise hatte mit sich führen müssen. Man wirdauch nicht ausser Acht lassen dürfen, dass die Isolirung,in der die Musik sich zur Bliithezeit jener Männer inner-halb der deutschen Lande befunden hatte, nicht mehr be-stand, dass Literatur und Poesie, die in der ersten Hälftedes Jahrhunderts nur dürftig zu sprossen begannen, nun-mehr nicht bloss kräftige Blüthen trieben, sondern dassder Meister am Ende seiner Lebenszeit schon deren reifeFrucht erblicken durfte.
Die Periode der alten Schule der deutschen Contra-punktisten war abgelaufen. Jener fromme religiöse Sinn,der um der Lehre Christi willen, mit dem Geringstenzufrieden das das äussere Leben darbot, nur thätig war,um den Gottesdienst in würdigster Weise zu schmückenund zu verschönen, hatte an seiner ursprünglichenReinheit, Naivität und Glaubensstärke erhebliche Einbusseerlitten; Haus und Heerd waren nicht mehr die alleinigenTräger der bürgerlichen Tugenden geblieben. Der Flügel-schlag einer neuen Zeit hatte zu rauschen begonnen. Wieschön und ehrwürdig das Alte gewesen war, es wich vorihm zurück und stürzte allmälig in Trümmer zusammen.