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an seinen Liedern zu tadeln gefunden hat, dass er desWortausdrucks nicht völlig Herr geworden ist. Dies istder schwache Punkt, der dem deutschen Liede noch bisin das jetzige Jahrhundert hinein gefolgt ist, obschon dergewaltige Fortschritt in der Poesie zu einer eingehenderenPrägnanz der Melodien hätte auffordern können. DassBach den Mangel, der hierin lag, wohl gefühlt hat, wirdman weiterhin sehen. Die Wahrheit der Gesammtstimmungaber, wie sie sich in der neu geschaffenen Gesangsformim Allgemeinen ausdrückte und wie sie ja auch seinemStreben nach künstlerischer Einheit in der Sonate ent-sprach, war eine überraschende Erscheinung, die vor Bachnoch nicht beobachtet worden war.
Das religiöse Lied, mit dem er den Boden dieserneuen Stimmungs-Bikler betrat, war seinem Streben undCharakter günstig. Ihm hat er sicli daher auch mit beson-derer Vorliebe zugewendet. Das weltliche Lied beschäf-tigte ihn nur noch nebenbei. Seine Lieder „Für dasHerz" bekunden erst in ihren allerletzten Ausgängen,hart am Ende seines langen Lebens einen bemerkbarenFortschritt. Mit den geistlichen Liedern ist er unmittelbarauf den Boden übergetreten, von dem aus er uns die schöneGabe des deutschen Liedes in unser dankbares Jahrhun-dert hinübergereicht hat. Was andere Tonsetzer von Be-deutung (es mögen als solche hier vorzugsweise seinenächsten Nachfolger Reichardt und Schulz genannt wer-den) unmittelbar nach ihm geschaffen haben, geschah inder von ihm gegebenen Richtung, auf dem vonihm gewonnenen Terrain. Er verliess die magere,meist zweistimmige Behandlung der Melodie, stellte sieselbständig in den Charakter des Gedichts und gab ihreine bestimmt geformte harmonische Begleitung.
In dieser Thatsache liegt der Wendepunkt, den dasdeutsche Lied durch ihn genommen hat. Em. Bach hattedas volle Bewusstsein, mit der Composition der Gellert'-schen Lieder etwas Bedeutsames geleistet zu haben.