Druckschrift 
1 (1868)
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

in der Dominante abbricht. Alle Mittel des Glanzes undder Wirkung, welche die Kunst zuliess, sind erschöpft.In einem kurzen contrapunktisch gehaltenen Schlussfallvon 8 Takten endet dieser ungeheure Tonsatz und mitihm das Werk.

Em. Bach hat hier ein Meisterstück polyphoner Schreib-art geliefert, wie deren ausser den fugirten Chören seinesVaters nur wenige existiren dürften. Er hat darin gezeigt,dass er die strenge Schule seiner Vorgänger nicht blossin ihrem ganzen Umfange gründlich durchmessen hatte,sondern dass er sie auch zu beherrschen verstand. MitdiesemMagnificat" und seinem doppelchörigenHeilig"würde er sich in die vorderste Reihe der kirchlichen Ton-setzer aller Zeiten gestellt haben, wenn diese Werke nichtin einer gewissen Vereinzelung geblieben wären, durchdie ihr Werth nicht gehoben werden konnte.

Eine zweite Kirchen-Musik, im Jahre 1756 entstan-den, ist

2. Die Oster-Cantate,

wovon die Poesie von Herrn Hofprediger Oochius, dieMusik von Carl Philipp Emanuel Bachen ist. Beydesim Jahre 1756 verfertiget" 1 ).

Aus welcher besonderen Veranlassung diese Cantateentstanden und wie Bach, der zu jener Zeit sonst dergeistlichen Musik wenig zugewendet war, zur Compositioneines Gedichts veranlasst werden konnte, das keinerlei An-ziehungskraft auszuüben im Stande ist, darüber hat sichleider nichts ermitteln lassen. Man betrachte den nach-folgenden Text:

No. 1. Oli or.

Gott bat den Herrn auferwecket, und wird auch uns auferwecken.No. 2. Recit. (secco) Bass.

So wird mein Heiland nun erhöht,

Des Vaters festes Wort besteht.

!) Original in der Künigl. Bibliothek zu Berlin.

9 *