Man wird in diesen Bezeichnungen, den „Jesujuva" und den „Soli Deo Gloria", die ehrwürdigen.Traditionen aus dem Hause und der Sehlde SebastianBach's wiederfinden. Man findet aber auch den Geistdes Vaters in dem herrlichen Werke selbst, das sich dessenberühmten Magnificat an die Seite stellen darf, und vondem aus die Desorganisation nicht hätte erwartet werdendürfen, die in den späteren Kirchen-Arbeiten Bach's sohäufig sichtbar ist.
Rochlitz erzählt über die Entstehung dieses Werkesfolgendes 1 ): „Die berühmten Söhne Sebastian Bach'swollten, als sie sich zu fühlen anfingen und einstmals (soviel ich weiss, in Hamburg) zusammentrafen, eine Gc-däclitnissfeier ihres grossen Vaters veranstalten, wozu jederein Stück zu schreiben gedachte, das dessen würdig wäre.Die Ausführung der Feierlichkeit unterblieb, wahrscheinlichaus Mangel an hinreichender Theilnahme. Philipp Erna-nuel Bach aber hatte das Magnificat in 8 grossen Sätzenschon vollendet. Er hielt diese Arbeit selbst so hoch, dass,als er darauf die Stelle eines Musikdirectors an den Haupt-kirchen in Leipzig zu erlangen wünschte, er dies Werkals Probestück einsandte, jedoch ohne damit seinen Zweckzu erreichen, indem das Vorzüglichste darin der damaligenZeit zu hoch stand und weit weniger Eingang findenkonnte, als Doles populäres Concertstück, sein rauschendermunterer Psalm „Warum toben die Heiden," welcher denPreis erhielt und dem Verfasser jenes Amt erwarb."
Selten hat sich wohl eine so grosse Anzahl von Irr-thiimern und Unrichtigkeiten in einer so kurzen Notiz zu-sammengefunden. Zunächst lebte Sebastian Bach nochin Gesundheit und voller Kraft, als Emanuel am 25. Aug.1749, nach seiner eigenhändigen Bemerkung, das Magnifi-cat beendete. Zum Zwecke einer Gedächtnissfeier für dennoch lebenden Vater konnte er die Arbeit also unmöglich
i) Leipz. Mus. Allg. Zeit. 9t. Jahrg. S. 208.-