— 113 -
ohne die Regeln davon zu wissen" 1 ), mit dem Mottodes Horaz: „Interdiurn Socrates equitabat arundine longa".
Die überaus gelehrte und sinnreiche Berechnung,welche in dieser Arbeit liegt, hat freilich einen anderenZweck nicht, als eben den, gelehrt zu sein. Die Berech-nung des Contrapunkts geschieht durch Annahme je zweierReihen einfacher Zahlen zwischen 1 bis 9. Dieser Zahlendürfen nicht mehr als sechs sein. Die obere Reihe ent-hält die Zahlen der Oberstimme des Contrapunkts, dieandere die Unterstimme. Das Finden der Roten geschiehtdurch eine bestimmte Art des Abzählens. Auf diese Weisesind 9 Contrapunkte in der Octave über derselben Grund-harmonie entworfen. So entsteht beispielsweise der aus den
13 1 5 2. 7. 9.
Zahlen ' .' ' ' bestimmte doppelte Contra-
( 8. 4. b. 1. 2. 3.
punkt in der Octave wie folgt:
O
t r s c »3
ßr® - f-
- _C=:
-8-
-1 9-
r—-£=
p |? :
— p
_E
— :
P i
. ' « * • *
W l-_y: p > •
Der Kunst war durch diese Spielereien nicht geholfen.Man ersieht aus ihr nur, wie sehr das contrapuuktischeWesen der alten Schule Unberufene zur Künstlichkeit ohneInhalt führen konnte. Em. Bach war, wie sein Vater,ein grosser Liebhaber von solchen Kunststückchen. Erund Kirnberger schickten sich gegenseitig Räthsel-Canons zu, und noch in späterer Zeit wird man einer Me-
i) Marpurg, histor.-krit. Beiträge. Bd. III. S. 167. No. 10.
Bitter, Emauuel und Friedemann Bacli. 8