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2 (1764) Des oekonomischen Lexici zweyter Theil
Entstehung
Seite
2431-2432
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-4Zl Roggen

wird. Der Sommer-Roggen, ist nur a»de-iienicniqcnOrren bräuchlich, womsn derKäl-le wegen den Winter-Roggen »icht wohl bauenkan. Man säet ihn in die Weihen- und Ger-sten-Lecker, doch nicht leichtlich in die besten,sondern vielmehr/ wenn der Acker der Gerstenicht zuträglich, und wo sandige Aecker sind, daman vcrmey»et,daß ander Getraue »icht wohlfortkommen will. Man muß den Ackcr hierzuvor Winters, wie gehörig, stärken, wo aber der-gleichen gedüngte Weisen.oder Gersten-Aeckernicht vorhanden, muß man den Mist vor^Win-ters etwa im Oktober auf den Ackcr fuhren,solchen so bald breiten u»d unterstürken, hier-auf das Feld, wenn es also überWinrers gele-gen, abermal ackern oder rühren, und denn eineWoche oder etliche hernach zur Saat pflüge»;in guten oder mürben Felder» aber wird auchnur zweymal gepflüger, nemlich gestüruet, undim Frühling gleich zur Saat geackert. DerSaamen muß gut und im vorhergehendenJahre gewachsen seyn; die Saam-Zeit ist imFrühling, so bald es der Nässe halber möglich,eynkan, etwa» im April; man pflegt zeillichdamit den Anfang zu machen, und nur mit ei-nem Gange, auch nicht so gar dicke zu säen, weildie Kalte nicht so viel davon verzehret, als vondem Winter-Roggen. Was die Erndte undsonsten anbelangt, hat es einerley Beschaffen-heit mit beyden Arten. Wen» der ausgedro-schene Roggen ausgeschüttet wird,muß er wohlrrocken seyn, nnd mit fleißigem Umsteche» oderWende», Winters-Zeit die Wochen einmal,Sommers-Zeit aber zweymal wobl gewartetwerden, damit er auf einander nicht erwarmeoder ersticke. Das allergeringste Kor», so ab-genommen wird, und was durch die Fege fället,soll man zusammen aufhebe»,und mit einanderschroten lassen, denn damit kan man dem Viehdie Spreu mengen, und auch zuweilen den Hü-nern davon aeben. Die Spreu nnrd ausge-siebt, und was durchfällt, vor die Schweine be-halten, das grobe aber unter die Weiften- undHaber-Spreu geschütter, und nachmals denHtutten die Siede damit gemenger. Das besteund reinesteKorn gebrauchet man zum Saa-men, zur Kost und zum Verkauf, das radigeund geringe aber zum Brantewein-Brennen,auch vor die Schweine zn schroten. Brey vonRoggen-Mehl macht starcke Blähungen, unddas daraus gebrauene Bier, wie manchmal ausNoth geschiehet,ist ungeschmack und ungesund.Roggen-Mehl wird auch zu harten Pastetengenommen. Das Roggen-Stroh dienet zuvielen Sachen i» der Haushaltung, Schöbe zuDeckung der Gebäude zumachen, und Stroh-Seile oder Bänder, die Garben darein zu bin-den, ingleichen Matten oder Decken iu dieGärren zu flechten, Häckerling zu schneiden,unter das Vieh zu streue», Hute daraus zu ma-chen und vergleichen ; Sie Mrtbunde oderWurm-Gebänder werden den Kühen, Schaa-feiinnd kämmem eingeleget. Die dritte Gat-tung, so wegen der vielen Halme,die aus einemKorne wachsen, Stauden-^SAgen genanntwird, hatAehriüi von sech« d>s M

Hohe keiuwand Roh r 24z-

die voller Korner stecke». >s.'s erfordert einensrarcken traadaren Ackcr, und eine sehr dünneAuesaar; wen» er reiffet, muß er geschwindeeingebracht werden, sonst säller er in drey Ta-gen gantz aus. Man säet ihn ebenmaßig vorWinrers, wie den gemeinen Winter-RoggenWenn man ihn im Frühling zugleich mit Ger-ste auf ein Stücke saet, so wird zwar die Gersteim Sommer reif,und kan eingeerndtet werden;der Stauden-Roggen aber bleibet »och denWinter durch, iedoch folgenden Sommer reif-fet er auch gar, uiid kan man also einen Ackerzweysach m-ken. In Norwegen ist dieserStauden-Roggen sehr gemein, von dannenist er in Pommern gebracht, und auch beyuns hier und dar bekannt worden ; wiewohlihn unsere Acker-Leute wenig bauen, ausge-nommen was in Schlesien geschiehet. Inder Artzney hat der Roggen auch seinen viel-fältigen Gebrauch. Die grüne Roggen-Saatwird im Frühling im Aufguß wie Thee, alseine Blut-Reinigung und gelinde Abführunggebraucht. Aus dem Kraut und Aehren wirdein Wasser gebrennet, welches für den Len-den-Srein gut ist. Wenn ein nasses Jahroder viel Mehlthau einfällt, wächst in denKorn-Aehre» unter den gute» Körnern eins,zwey, drey und mehr, so länger und dickerals die andern, auswendig schwartz, inwendigweiß und blaulich, eines süsse» und geilenGeschmacks sind, und Rorn-Mntter», Mur-rer-Rörnlein, oder Roggen-Mutter» ge-nennet werden. Alter Roggen gedorret, ge-pülvert, und des Tages dreymal mit einemEyer-Dotter eingenommen, stillet die rotheund weisse Ruhr. Die Roggen-Blüte i»warmer Brnhe oder Wein eingenommen, ver-treibt das dreytägige Fieber und die Bauch-Würmer. Roggen-Mehl und Kleyen erwei-chen und zertheilen die Geschwulst, und sin»gut bey der Rose.

Roggen-Krot, siehe Brot.

Roggen-Mutrer, suche Rorn-Mutter.

Roggen-Stroh, siehe Stroh.

Rohe Leinwand Heisset/ welche nur vonden, Weber-Stuhl kommet, und »och nicht ge-bleichet ist. Es wird solche meist zu den Klei-dungen und sonst aus vielerlei) Art gebrauchr;und machet man auch iei'v die schlechteste Artder Reiffen-Rocke aus selbiger.

Rohhöpffig, pflegt man das Bier zu nen-nen, wenn cer^?opffe nicht gnugsamausgcsot-te» werde». Äergleichen Bier sind dem Ma-gen gar widerlich, und verursache» die kaltePisse.

Rohm, suche Rahm.

Rohr,Ried,Schilf,ist ein gewisses Gewäch-se, so i» Teichen, Seen und andern stillen Wal-scrn gefunden wird. Es hat eine knotige Wur-zel, eine» hohe», hohlen, mit Knote» Abgesetz-ten Stiel, eines kleinen Fingers dick, schmale»aber sehr lange, etwas rauhe,steisse und aus bey-de» Seiten schneidige Blätter. Oben an demStengel kemmt in einem Büschel eine Purpur-farbene Blüte, die, wen» sie reiff worden,Asche«mi> >mi> von dem Winde entführet

wird.