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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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und Giech, in seine edlen, freien Grundsätze einzuweihen suchte, daß derSchloßherr nichts Besseres sein sollte, als der erste freie germanischeBauer, der am alten ritterlichen Rechte festhalten, der Verteidiger,Führer und Beschützer der Geringeren sein und durch Barmherzigkeitund Treue allen, und besonders den Armen sich immer bereit und hilf-reich zeigen müsse. Der Schlußvers der Lehre war immer: Ein Edel-mann sei nicht geboren, auf seinen Schlössern und Gütern wie ein blankerHerr mit den Rittersporen zu prunken nnd zu prassen, und mit Jägernund Stallknechten sein Leben abzuspielen, sondern sein Beruf sei, inArbeit und Sorge für alles Volk, im Kriege und im Frieden, in Ratund in Tat der Vorderste zu sein. — Unsere Abendspaziergänge gingenmeist in den von dem Abendrot beleuchteten Wald oder unter schattigenBäumen auf Feldern und Wiesen hin, wo er seine einzelnen Lieblings-ruheposten hatte. Die Bäume, hohe, stattliche Bäume, auch die jugend-lichen, erst vor 10 oder 20 Jahren gepflanzten, die umhalste, herzte undstreichelte er, wie seine Lieblinge. Wie oft sind wir an einem Apfel-baum, an einer Lärche oder Tanne unter solchen Zärtlichkeitsanwand-lungen seßhaft geworden, wobei er dann zu erzählen Pflegte, wie er alskleiner Knabe dabei gewesen, als die selige Mutter und SchwesterMarianne sie habe pflanzen lassen. — Steins Haus war gastlich offenfllrldie Nachbarn, für die Freunde, für die Männer in Geschäften, dieRentmeister, Förster, Bürgermeister, Schöffen, Pfarrer, Brückenbauer,Schlosser, Zimmerleute u. s. w. Sie saßen gelegentlich mit Excellenzenund Grafen an demselben Tisch. Das war auch echt altdeutsch. Jedersuhlte in Steins Gegenwart, wo er war, nnd mit wem er zu Tischesaß; aber jeder, der nur das Herz auf dem rechten Flecke hatte, fühltesich bei und vor ihm frei. Stein hatte nichts von jener falschen,nichtigen Art Freundlichkeit, von jener jämmerlichen Vornehmigkeit,welche unwillkürlich jeden Anwesenden zu falschen und lügenhaften Ber-uhigungen und Zierlichkeiten nötigt und falsche knechtische Kräuselungenhaben will. Hier war auch keine kleinste Spur von einem vornehmenJunker, sondern es war in der Tat und Wahrheit der alte, freiherzige,freigeborene, deutsche Ritter. Abends unter seinen Gästen war selbsternste Stille, wenn er nun so heiter und fromm unter uns saß, miteiner wundersamen Klarheit und Heiterkeit Übergossen; seine freundlichblitzenden Augen, feine breite, hoch zurück gewölbte leuchtende Stirn,worauf Macht und Geist gelagert waren: noch heute steht dies Bild deshohen Greises hell vor mir. Aus dieser Stirn sprach nichts als Macht,Mut, Verstand nebst Redlichkeit, Wahrheit und Treue. Dies sprach sichso gewaltig aus, daß man sich vor solchem hohen Geist in Ehrsnrchtverneigen mußte. Hier leuchtete wirklich eine olympische Größe, vonwelcher unwillkürlich und unbesohlen der Befehl ausging."

„Wie Stein Gott, den gewaltigen Gott, den furchtbaren, allmächtigen,in den rauhen Stürmen seines Lebens und in dem siegreichen Donnerder blutigen Schlachten erkannt und geglaubt hatte, so war der stille,freundliche Gott des Friedens in der stilleren Zeit auch immer um ihn,wandelte mit ihm durch das Rauschen seiner Wälder, brauste in seinenStrömen und Bächen und säuselte im Laube der Büsche auf die Bänkeherunter, worauf er im Abendrot im Walde oder Garten auf GottesStimme zu lauschen schien, die immer so ganz still, wie ein stiller