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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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8. Im kalten Aukland ein Heißes Kerz.

Drei Jahre schon war Stein geächtet. Seine Seele mußtefragen: „Hüter, ist die Nacht schier hin?" Noch zeigte sich inder tiefen Finsternis kein Dämmerstrahl. Napoleon schwang sichvon einem Strahlengipfel zum andern, als wollte er seinen Stuhlnoch über die Sterne Gottes erhöhen und die Völker Europaszum Schemel seiner Füße machen. „Bald ist alles", jammerteStein, „ein toter, fauler Klumpen!" Und über die Wenigen,welche in der Brust noch Glauben an die gnte Sache und Grimmgegen Napoleon trugen, spottete selbst der große, halbvergötterteDichter Goethe: „O ihr Guten, schüttelt immer an euern Ketten,ihr werdet sie nicht zerbrechen: der Mann ist euch zu groß!"

Napoleon führte ein auserlesenes Herr von einer halbenMillion, — ach! es waren auch viele tausend Deutsche ausdem Rheinbunde darunter, — gegen Rußland, um von dortzu den Türken und weiter nach Asien und Indien im Sieges-sturm vorzudringen. Preußen mußte 20 000 seiner Kinder alsHülfstruppen stellen, Oesterreich noch mehr, und beide Regie-rungen sahen sich gezwungen, in den eigenen Grenzen die durch-marschierenden Franzosen als Herren schalten und walten zulassen. So war Stein auch in Oesterreich vor dem Wüterichnicht mehr sicher. Wohin nun? Als er noch so fragte, erhielter am 19. Mai 1812 vom russischen Kaiser Alexander diehuldvollste Einladung, als Ratgeber zu ihm nach Rußland znkommen. Wie ein Adler, der aus dem Käfig seinen Bergenzufliegt, eilte Stein nach Rußland. Er wollte kein Amt, keinenMinisterposten. Er wollte nichts, als seinen Feuergeist demguten, aber schwachen, schwankenden Kaiser Alexander einhauchen,damit dieser fest stünde gegen Napoleon und nicht ruhte, bisder Tyrann gebändigt sei. Stand erst, davon war Stein über-überzeugt, ein Monarch, ein Volk unerschütterlich gegen denZwingherrn, so würde Mann auf Mann und Volk auf Volkgegen ihn sich erheben, Preußen zuerst und Deutschland nachPreußen. Rußland sollte nur der Anstoß zum allgemeinenKreuzzug gegen Napoleon sein, Deutschland aber durch GottesGnade und die eigene Ermannung seine Ketten brechen. Daswar Steins hohes Ziel. Still und bescheiden, ohne auch nurnach einem Schein von 'Prunk und Pracht ausschauend, zog erin Petersburg ein. Er wohnte die erste Zeit in dem damals