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Leidenschaft! Dem lebendigen und unbiegsamen Gefühle füralles Große, Edle und Schöne unterordnete sich in ihm vonselbst sogar der Ehrgeiz/' Auch in seiner glühenden Freund-schaft ließ sich Stein von seinen Grundsätzen um kein Haar breitablocken. Rehberg ergriff mit Eifer die damals zur Herrschaftgelangende Kantische Philosophie, die Mutter und Säugammedes Rationalismus, der dürren, leeren Verstandesreligion. Steinblieb unwandelbar bei dem einfältigen Bibelglauben, welchen diewarme Liebe seiner Mutter ihm ins Herz gehaucht hatte. WasLuther von seinen zwei jungen Freunden im Niederland gesungenhat, das kann man auch vom jungen Stein sagen:
Sie sungen süß, sie sungen saur, ! Der Knabe stund als wie eine Maur,Versuchten alle Listen; j Verachtet die Sophisten!
2. Wie der junge Freiherr nur dem stärksten Kerrndienen wiik.
Die Studentenzeit war vorüber, 1777, und Stein, wie-wohl ein Reichsfreiherr, wollte nun arbeiten und dienen, frei-willig, aber wie weiland der urdeutsche Riesenjüngling Christo-phorus, nur dem stärksten Herrn. Gleich diesem machte er sichauf, die Welt zu besehen, wie und wo er dienen könnte. Zuerstkam er nach Wetzlar zum Reichskammergericht. Aber die60000 Prozesse, welche dort aufgestapelt lagen, trieben ihn raschweiter. Er ging an die Höfe von Mainz, Mannheim, Darm-stadt, Stuttgart und München. Nirgend fand er einen Herrn,der ihm groß und stark genug gewesen wäre. Er haßte diedeutsche Kleinstaaterei. In Regensburg besah er sich den deutschenReichstag. Der aß und trank und zankte sich um Lumpereien.Stein wandte ihm den Rücken und reiste nach Wien, der schönen,lustigen Kaiserstadt. Aber weder im Palaste des Kaisers, nochin dessen oberstem Gerichtshofe gabs einen Dienst nach seinemHerzen. Und auch in Steiermark, Ungarn und Dresden fander keinen Starken, dem er hätte dienen mögen. Als er später,um das gleich hier zu erwähnen, zum Minister nach Hannoverberufen wurde, sagte er gleichfalls rundweg Nein! Endlich, zuAnfang 1780, kam er nach Berlin. Dort führte noch der alteFritz das gewaltige, glorreiche Szepter, und wiewohl dieserder kleinste von den Großfürsten Europas war, hatte er sich doch