Druckschrift 
Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

3ö

Antlitz, ihr lebendiges, seelenvolles Augenpaar, Unter dem Vor-wande, sich an dem hessischen Aufstande beteiligt zu haben,wurde sie in ein gemeines Gefängnis geworfen und dann vonfranzösischen Soldaten bis nach Paris geschleppt, von wo sie erstein Jahr später mit gebrochener Gesundheit in die Heimat zu-rückkehren durfte. Handelte Napoleon so mit der SchwesterSteins, was hatten seine Frau und Kinder zu erwarten!Furchtbarer Gedanke! Da erhielt der Beängstigte einen Briefseiner Frau: sie werde mit den Kindern bald glücklich wiederin seinen Armen sein. Fröhlich schrieb er nun auf die Rück-seite des Briefes die Worte aus dem damals erst bekanntwerdenden Schillerschen Liede von der Glocke:

Was Feuers Wut ihm auch geraubt,Ein süßer Trost ist ihm geblieben:Er zählt die Häupter.seiner LiebenUnd sieh, ihm fehlt kein teuresHaupt.

Einen Blick nach dem Grabe seinerHabe

Sendet noch der Mensch zurück;Greift fröhlich dann zum Wander-stabe.

s war in dieser Jammerzeit, wo seine Gemah-lin der rechte Balsam seines Lebens gewordenist und sich nm ihn, den vom Stnrin geschüt-telten Palmbaum, warm und fest wie eineRose geschlungen hat. Er selbst, der gewaltigeMann, widmete sich mit der zärtlichsten Vater-liebe und gewissenhafter Sorgfalt dem Unter-richte seiner Töchter und fand darin Ruhe,soweit ein großes Herz Ruhe finden kann,wenn das Vaterland im Sterben liegt. Diewahre Ruhe suchte er bei Gott, „Es bleibtnichts wünschenswert", schrieb er, „als allendiesen Verhältnissen entrückt zu werden, unddorthin zu kommen, wo ewiger Friede denermüdeten Wanderer erwartet. In wenigenWochen bin ich an meinem 54. Lebensjahreangelangt. Hohes Alter hat keines meinerGeschwister erreicht, also ivkrd es mir wahr-scheinlich auch nicht werden. Es mag einem wohl recht gut zuMut sein, wenn man den Hafen vor Augen hat." Doch beidieser Sehnsucht nach Ruhe wirkte er rastlos fort zum SturzeNapoleons. In Norddeutschland suchte er das glimmende Feuerweiter zu schüren. „Wer Gott vertraut, brav um sich haut,