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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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Wenn eine Eichel in Freiheit aufwächst, so wird einkräftiger Eichbaum daraus. Doch wenn eine Tollkirsche Frei-heit hat, sich zu entfalten, so schießt tätliches Giftkraut auf.Stein, der Menschenkenner, wußte wohl, was für böse undverderbliche Keime im Menschenherzen schlummern. Er wußtenicht minder, daß, wenn diese in ungehinderter Freiheit sichentwickeln, eine böse Frucht die notwendige Folge ist. Drumwollte er, daß jeder im Volke, wie er selbst, unter Gott undGottes heiliges Gesetz sich willig beugte. Das konnte er frei-lich nicht befehlen, aber er hat bis an sein Ende getan, waser konnte, um dem Unglauben, der Freigeisterei und derSittenlosigkeit kräftig entgegenzuwirken und Gottesfurcht undchristliche Sitte in die Herzen des Volkes zu pflanzen. Darumsuchte er tüchtige Kirchendiener heranzubilden, den frommen Sinnzu Pflegen und höhere und niedere Schulen in den Städtenund auf dem Lande zu mehren und zu heben, überhauptdas letzte und höchste Streben aller Schichten des Volkesauf das Ewige und Göttliche hinzurichten. „Die bürgerlicheFreiheit", das sind Steins Worte, „muß auf religiös-sittliche und intellektuelle Bildung gegründet sein!"Unter Religion verstand er aber nicht ein uebelhaftes Ver-nunft- oder Phantasie-Gebilde, sondern den festen Bibelglauben,welchen er selbst in der Brust trug. Er schrieb 1811 an diePrinzessin Marianne: „Was verdankt Deutschland der Berlinertheologischen Schule und ihrem Koryphäen und KolporteurNicolai, — dieser war der platteste Rationalist, — und seinenneuern Metaphysikern? Jene haben den einfältigen, schlichtenBibelglauben hinweg exegisiert, und diese die alte deutsche Bie-derkeit und Treue hinweg räsonniert und Lehren vorgetragen,welche die Herzen der Menschen austrockneten. Glücklicherweisewird diese Torheit, wie bereits so viele andere, verschwin-den." — Derselbe Mann, welcher Gott gab, was Gottes ist,fand auch Mittel, Geld und Gold aufzutreiben, so viel fürjene Unglückszeit nötig war. Scherzend sagte einmal derKönig zu ihm: „Haben ja als Oberbergrat fungiert, müssenGoldgruben zu entdecken wissen!" Es war, als hätte Steinwirklich Geld und Gold zaubern können, denn bis Ende desJahres 1808 hatte er an die Franzosen schon 474 352 650Franken gezahlt. Im ganzen hat allein der Franzose Daru inNorddeutschland 604 227 922 Franken erpreßt, das nicht ge-