gültigkeit und Genußsucht oder Groll und Hader gegen dieRegierungen erzeugt hatte. Stein besaß Mut und Vertrauengenug, die Bürger für mündig zu erklären und durch dieStädteordnung ihnen die Verwaltung ihres Vermögens undihrer Angelegenheiten zu übergeben. Ein freies, mutiges Regenund Bewegen der Kräfte, welche bis dahin wie tot gelegenhatten, war die heilsame Folge.
Vom Adel endlich sagte Stein-. „Ohne Vorrechte zu bean-spruchen, müsse derselbe bei großem Grundbesitz nnd Reichtumnur durch seine Intelligenz und sein Wirken zum Wohle desStaates und Volkes seine Bevorzugung und Ehre suchen. Habeer aber zu solchem Tun keine Mittel und kein Geschick, soergreife er besser ein bürgerliches Geschäft und sei, was jederehrsame Bürger auch sei, ohne daß ihm seine angeboreneWürde verloren gehe. Gleicherweise aber möchte man höchstbegüterte und reiche Bürger, welche zudem mit vorzüglicherGeistesbefähigung dem Staate oder dem Volke zu nützen suchten,in den Adelstand aufnehmen. Es komme, um ein wahrerAdliger zu sein, um edle Handlungen ausweisen zu können,auf alte Stammbäume gar nicht an."
Der König selbst sprach sich bei Erlaß dieser Gesetze soaus: „Die Nation erhält eine, ihrem wahren Besten und demZwecke angemessene Teilnahme an der öffentlichen Verwaltung,und dem ausgezeichneten Talente in jedem Stand und Ver-hältnis wird Gelegenheit eröffnet, davon zum allgemeinenBesten Gebrauch zu machen." — Auch die Vorschläge, welcheStein machte, um die Armee auf besseren Fuß zu bringen,fanden des Königs volle Beistimmung, zumal Männer wieScharnhorst und Gneisenau, unübertroffene Fachkenner, dieselbenmit Wärme unterstützten. Wie die Soldaten damals vielfachvon ihren Offizieren traktiert wurden, ahnt man aus einereinzigen Aeußerung des Generals Marwitz: „Was soll es be-deuten", schreibt er, „einen durchtriebenen bürgerlichen Rackeraus der Stadt oder einen faulen Bauernbengel mit süßerMilde zu behandeln wie einen gefühlvollen Herrn nnd vonEhre mit dem zu reden, der nur tierischen Trieben zu folgengewohnt ist?" Stein nämlich und seine Freunde hatten dieStockprügel und andere den Mann erniedrigende Mißbräucheabgeschafft und wollten das Bewußtsein echter Ehre im preu-ßischen Soldaten wecken und nähren.