Druckschrift 
Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

rechnet, was einzelne Orte und Einwohner noch besonders hattenhergeben müssen. Der König und sein erster Minister gingendem Volke mit Opferwilligkeit voran. Für zwölf MillionenTaler Domänen wurden Heräußert,' der König verzichtete aufseine Schatullengelder, beschränkte die Kosten für Hofhalt, Operund Ballet. Das goldene Tafelservice Friedrichs des Großenund andere Kleinodien wurden zu Geld gemacht, und Stein,dem der König einen Gehalt von 12000 Talern zugesicherthatte, nahm nur die Hälfte.

Was für eine Riesenarbeit, welche Stein in einem ein-zigen Jahre zur Neugestaltung Preußens vollendet hat! DerKönig schrieb ihm: „Ich bewundere den Mut, die Festigkeitund die Selbstverleugnung, welche Sie bei all Ihren Schrittenbegleiten!"

Mitten in dieser rastlosen, stürmischen Arbeit dachte dergewaltige Mann ernst an sein seliges Ende, an seinen letzten,stillen Ruheplatz. «Er schrieb am 19. Juni 1308 an seineFrau: „Ich bin entzückt, daß Du mit Frücht zufrieden bist.Ich liebe diese Besitzung vorzugsweise. Meine Eltern sinddort begraben. Schreibe mir, bitte ich, ob Wieler (der Ver-walter) dort eine kleine Einfassung hat bereiten lassen, nahedem Kirchhofe. Ich will dort den Sarg meiner Eltern hin-stellen, mir einen Platz an ihrer Seite bereiten und dasGanze umgeben mit der roten Zeder, dem Lebensbaum undeinem Paar Zypressen!" Dieser Gedanke an die letzte Ruhestättewollte ihm nicht aus dem Sinn. Am 6. August schreibt erabermals und dringender: „Ich wünschte sehr, daß der Platzzum Grabmal meiner Eltern hübsch bepflanzt und vorgerichtetwürde. Meine Absicht ist, mich neben meiner Mutter begrabenzu lassen!" Fünf Tage später: „Man muß sich mit dem Ge-danken der Entbehrung jeder Art und des Todes vertrautmachen, wenn man die Bahn betreten will, die man jetzt zugehen sich vornimmt."