Druckschrift 
Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

Franzosen den Krieg erklärt. Es war nicht mehr das PreußenFriedrichs des Einzigen. Seit dieser sich schlafen gelegt, warder große tapfere Geist gewichen, nur das hölzerne Staats-gcrüste war zurückgeblieben, und auch dieses war wurmstichiggeworden. Unglauben und Tatenlosigkeit nagten am Markdes Volkes. Gott mußte, um ein Neues zu schaffen, dasAlte von Grund aus niederreißen. — Die unheilvolle Doppel-schlacht bei Jena und Auerstädt am 14. Oktober 1806 machteden Anfang. Sofort wurde Festung auf Festung feig undschmachvoll dem Korsen übergeben. Die Franzosen wälztensich, wie ein verheerender Strom, über ganz Preußen bis nachBerlin. Der König floh. Napoleon zog ein. Stein, vonPodagraschmerzeu gequält, hatte alle unter seiner Verwaltungstehenden Kassen eingepackt und nach Stettin und Königsberggesandt; 24 Stunden später und sie wären Napoleon in dieHände gefallen! Preußens Jammer wuchs von Tag zu Tag.Der König mußte mit Weib und Kind bis Königsberg und vondort bis an den äußersten Winkel seines Reiches flüchten. Steinsann in der allgemeinen Verzweiflung ohne Ruhe und Rastauf Vernichtungspläne gegen Napoleon. Der Glaube war seinSchild und Schwert. Er hatte nicht lange vorher an den vorUnmut krankenden Vincke in Westfalen geschrieben: „Man müsseauf die großen Beispiele aus der Geschichte zurückblicken undVertrauen auf die Vorsehung haben. Es habe in der oberstenLeitung des Staates die notwendige moralische und intellektuelleKraft gefehlt; aber", schließt er, „ich erkenne hierin den Willender Vorsehung und es bleibt nichts übrig als Glaube und Er-gebung!" Schon damals ahnten alle Vaterlandsfreunde samtallen echten Feinden Napoleons in Stein die Säule, zu welcherGott ihn bestimmt hatte. Selbst Oesterreicher, Engländer undRussen sahen mit fast unbedingtem Vertrauen zu ihm empor.Auch der König wollte in seiner Not nun auf Steins Pläneeingehen; aber Beyme sollte im Kabinette bleiben, Stein Ministerdes Aenßern werden. Dieser lehnte ab, einmal, weil er unterBeyme seine Kraft unmöglich entfalten könne und sodann, weiler, — und diese demütige Erklärung war sein voller Ernst, —gar keine Kenntnis und Erfahrung für den zugedachten Postenbesitze. Der König scheint das nicht verstanden zu haben undverlangte von Stein, als Minister des Aeußern, einen Bericht,den dieser, weil er ja deutlich genug abgelehnt hatte, auch ans