596 Zwei Achener historische Gedichte des 15. u. 16. Jahrhunderts.
aber nicht versucht worden. Ein förmlicher Angriff auf dieStadt würde zu einer Belagerung geführt haben, deren Aus-gang immerhin zweifelhaft blieb, die auch lange Zeit in An-spruch genommen hätte, während welcher aber jedenfalls diein der Stadt sitzenden Patrizier mit ihren Familien, mit Hausund Habe den erbitterten Zunftgenossen preisgegeben waren.Viel sicherer musste eine Ueberrumpelung der Stadt zum Zieleführen, wenn sie gehörig vorbereitet und mit genügendenStreitkräften unternommen wurde. Auf diesen Plan kam dennauch der abgesetzte Erbrath zurück ; sicher schon im Herbstdes Jahres 1428 haben die Unterhandlungen begonnen, erstim Sommer 1429 gelangten sie zu einem Abschluss. EinigeAbgesandten der Geschlechter, an deren Spitze die SchöffenRitter Kuno von dem Eichhorn und (Johann?) Beissel stan-den '), begaben sich heimlich zu einer in Bonn um Johannisstattfindenden Versammlung Rheinischer Dynasten und Adeli-chen a), wo ausser anderen anwesend waren das Haupt der Jü-
Bürger erlassen, wenn ihm die gewaltsame Verfassungsänderung bekanntgewesen wäre. Die Urkunde ist jedenfalls lange vor ihrer Ausfertigungund wahrscheinlich vom Herzoge von Jülich zur Unterstützung seinerAnsprüche auf Ausübung des Schutzes erbeten worden.
') Alle Quellen nennen übereinstimmend Kuno von dem Eichhornals den Führer dieser Deputation und als den Erfinder des ganzenAnschlags (vgl. Vers 65 u. 106); er war damals die einflussreichsteund politisch hervorragendste Persönlichkeit der Stadt, hatte dieseschon 1407 in den Unterhandlungen mit König Ruprecht und späterauf dem Concil zu Constanz vertreten. Näheres über ihn und seinGeschlecht bei Loersch, Zur Gründungsgeschichte des AchenerRegulirherren-Klosters, in, den Annalen des histor. Vereins für denNiederrhein, Heft 21 und 22, S. 234 ff. — Vers 18 allein nennt Herrn„Besel", gemeint ist jedenfalls ein Mitglied des alten Patrizierge-schlechtes der Beissel; von den zwischen 1413 und 1431 vorkommen-den Schöffen dieses Namens, Johann, Gerard (mit dem Zusatz: vonHeisterbach) und Colin, tritt der erste politisch am meisten hervor,noch 1431 wurde er zu König Sigismund gesandt, (vgl. Haagen,Geschichte II, S. 39), er wird auch wohl in Bonn gewesen sein.
2 ) Ueber den Ort sind alle Quellen einig. Das Datum des 24.Juni findet sich allein in der Achener Chronik. Die kleine KölnerChronik (Anlage 1) nennt unter Verwechselung mit späteren Vor-gängen hier den Evenmonat. In gleichzeitigen Urkunden finden sichSpuren der Bonner Versammlung nicht.