Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
595
Einzelbild herunterladen
 

Zwei Achener historische Gedichte des 15. u. 16. Jahrhunderts. 595

meisten Fällen einfach die Beseitigung des Zinses vom „neuen"Rathe decretirt worden, oder die einzelnen Handwerker nah-men Veranlassung, die Zahlung zu unterlassen oder zu ver-weigern '). Das musste zu einer neuen Schädigung der städti-schen Finanzen führen, die ja theilweise auf die Einnahmeaus den Erbzinsen angewiesen waren ; völlig zerrüttet wurdenaber dadurch die V ermögensverhältnisse der Patrizier, welchenein sehr bedeutendes Einkommen aus ihrem städtischen Grund-besitz auf diese "Weise, vorläufig wenigstens, völlig entzogenwurde. Wenn irgend etwas geeignet war die Geschlechterzu erbittern, so muss es dieses ungerechte Yorgehen der Hand-werker gewesen sein 2 ). Für jene handelte es sich nun nichtmehr bloss um Macht und Ansehen, sondern um den ganzenBestand ihres Vermögens, ihrer wirthschaftlichen Existenz,kein Wunder also, wenn sie anfingen auf Mittel zu sinnen,wie dieser Schreckensherrschaft ein Ziel gesetzt werden könne.

Die Mitglieder des bisherigen Erbrathes und ihre Anhängerscheinen jeden Versuch einer Gegenbewegung zur Absetzungder neuen Regierung unterlassen zu haben. Im Gefühle ihrereignen Ohnmacht sahen sie sich vor allem nach Bundesge-nossen um. Ein bewaffnetes Einschreiten seitens des Herzogsvon Jülich, dem ja die Vogtei über Achen zustand und dergewiss das grösste Interesse daran hatte, die Stadt zu geord-neten Zuständen zurückzuführen, hätte nahe gelegen 3 ), ist

') Meyer übersetzt S. 376 § 18 die Kölner Chronik von 1499ohne jedes Verständniss: „so bald'nun der neue Rath Besitz genom-men hatte, fing derselbe an, feste Zinsen auf die Stadt zulegen".

2 ) Die Bedeutung der Erbzinsen für das Vermögen der Patriziergeht deutlich hervor aus der von L o e r sch, Annalen des hist. Vereinsf. d. Niederrhein, Heft 21 und 22, S. 257 ff. mitgetheilten Urkundevon 1423. Kuno von dem Eichhorn zählt hier die Schenkungen auf,die er dem Regulirherrenkloster zuwendet, und von den 176 Postender Urkunde enthalten 158 lediglich Zinsen, deren Mehrzahl von Hand-werkern zu entrichten ist.

3 ) Die bei Lacomblet, U. B. IY, S. 217 abgedruckte Urkunde,(vgl. den Inhalt bei IIaagen, Geschichte II, S. 35) steht sicher nichtmit den Achener Verhältnissen im Frühjahre 1429 in Zusammenhang.König Sigismund hätte damals keine Aufforderung zum Schutze der