Zwei Achener historische Gedichte des 15. u. 16. Jahrhunderts. 561
Windeck herrührt) erst in diese hineingebracht hat'). Diewenigen von Windeck beigefügten einleitenden Sätze sinddurch eine Lücke fast ganz unverständlich. Der Sinn desGedichtes selbst bleibt vielfach völlig dunkel, im Texte sindmehrere Lücken angedeutet, die Sprache endlich ist theilweisemodernisirt. Yon Liliencron hat seinen Text aus zwei WienerHandschriften, wovon die eine vormals Görres gehörte, undder Gothaer zusammengestellt. Er bemerkt mit Recht, dassSchreibung und Mundart seiner Vorlagen nicht zu der ur-sprünglichen Form des Gedichtes stimmen, welche, AchenschemDialecte gemäss, viel stärkere niederdeutsche Färbung hatte.Auch in seiner Ausgabe bleiben sehr viele Stellen unverständlich.
Für die beabsichtigte nochmalige Herausgabe des Gedichtssind drei Handschriften verglichen worden. Vor allem diebisher am meisten gekannte und geschätzte Gothaer. Inihr schliesst sich am Ende von Seite 3 7 3 die einleitende Er-zählung der Achener Vorgänge von 1429 unmittelbar an Ca-pitel 244 an; das Gedicht bildet mit einer besondern Ueber-schrift von Seite 37 5 bis 381 (Seite 3 74 ist halb leer) das245. Capitel. Aus der Gothaer Handschrift allein würde sichschon eine weit bessere Ausgabe herstellen lassen als Menckengeliefert hat. Allerdings hat der Schreiber (bekanntlich ,,U1-ricus aicher diner ader eicher der stat Eger ... der gepurtvon Kocznig") willkürlich den in der Achener Mundart sichbewegenden Text ins Baierisch-Oesterreichische umgesetzt undsein Mangel an Verständniss für die niederrheinische Vorlagevielfache Irrthümer veranlasst.
Das vonDroysen2) festgestellte Verhältniss der W eimarerHandschrift zu der eben genannten liess von vorn herein ihreBrauchbarkeit für den vorliegenden Zweck zweifelhaft erschei-nen. Das hat denn nochmalige Vergleichung nur bestätigt.Eigenthümlich sind der Weimarer Handschrift, in welcher dieauf Achen bezügliche Erzählung mit Blatt 212 beginnt, zweiUeberschriften, die aber offenbar von dem Abschreiber her-rühren. Die erste, vor den von Windeck als Einleitung bei-gefügten Sätzen stehend, macht ein neues Capitel aus dem
') Vgl. Droysen a. a. 0. S. 149 f.2 ) a. a. 0. S. 149.
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