266
Der Stadtbrand vom 2. Mai 1656.
und in der entgegengesetzten Richtung wehte, theils durchdie Beschaffenheit der Gebäude, die wohl grösstenteils ausHolz waren. Da viele tausend Bewohner ohne Obdachwaren und die Nacht unter freiem Himmel zubringen inuss-ten, so war es ein Glück, dass milde Witterung herrschteund dass sich allenthalben Theilnahme kundgab l ). Sobalddie Nachricht über das Missgeschick sich verbreitet hatte,langten aus den näheren und ferneren Städten und Gemein-den Lebensrnittel an, so von Mastricht und Lüttich. Kölnsandte zweihundert Malter Roggen. Da die meisten Back-öfen zu Grunde gegangen waren, wurde den Nachbarn er-laubt, das Brod abgabenfrei nach Achen zu bringen, umes hier zu einem billigen Preise zu verkaufen. Der Rathwar eifrig bemüht, die Noth zu lindern. Er versprach, diebenachbarten Fürsten um Unterstützung anzugehen, be-freite die Abgebrannten vom Wach- und anderen Diensten,wies ihnen Holz aus dem Achener Reichswalde an, kaufteeine Strecke Waldes in dem Gebiet von Cornelimiinster, diezum Wiederaufbau der Stadt ausgenutzt wurde. Durch denFreiherrn von Reuschenberg Hess er beim Pfalzgrafen vonNeuburg um unentgeltliche Benutzung der jülichschen Wal-dungen bitten und um die Begünstigung, dass jtilichscheUnterthanen diesseit der Roer aufgeboten würden, den Schuttwegschaffen zu helfen. Am 18. Mai wandte sich der Magi-strat an den Papst Alexander VII., der am 8. Juli ein Condo-lenzschreiben schickte und am 13. Januar 1657 viertausendScudi der Stadt schenkte. Diese wies in ihrem Dank-schreiben auf das errichtete öffentliche Monument zum An-denken an diese Wohlthat hin. (Laur. Stadtrechn. S. 45.)Papst Alexander VII., der Gönner des deutschen Horaz,Jakob Balde, lebte als Nuntius für die Rheinlande und fürNiederdeutschland während der Jahre 1649 und 1650 in
') Der berühmte holländische Dichter Joost van den Yondel be-sang den Brand in dem Gedichte: Klage über den Untergang derReichsstadt Achen mit dem Motto i'uit llium. (Man sehe die gelungeneUebersetzung von L. v. H. im Echo der Gegenw. vom 7. Jan. 1870- und von Reumont, Achener Liederchronik 1873, S. 118 und Beilagezu diesem Bande.