248 Die Stadt muss ihre Thore öffnen.
gegen dieselbe abgeschossen worden, und auf Entsatzkonnte sie nicht rechnen, während der Feind aus Liniburgund Jülich stets Verstärkung an Mannschaft und Lebens-mitteln an sich ziehen konnte. Auch das Gebiet litt durchdie Belagerung. So konnte in Würselen das Sendgerichtihretwegen nicht gehalten werden. Sie fügte sich dem-nach am 22. und nahm die Besatzung nebst acht Kanonenund zwei Mörsern auf. Das Fussvolk wurde bei denschlichten Bürgern, die Reiterei und die Offiziere bei denReichen untergebracht. Ersteren kostete der Unterhalt einesMannes täglich mehr als 1 Rthlr., letzteren kam derselbedurchschnittlich täglich bis auf 13 Rthlr. zu stellen. DerForderung des Generals von 15,000 Rthlr. monatlich fürseine Person trat der Rath mit der Bemerkung entgegen,er würde eher die Stadt in einen Schutthaufen verwandelnlassen, als dass er dieselben bewillige. Wie viel derGeneral für seine Person erpresst, wird nicht angegeben.Das verlangte ein kaiserlicher General von der Reichs- undKrönungsstadt, die nicht zu den Feinden des Kaisers hielt 1 ).Die Besatzung lag der Stadt noch bis zum 1. Juni zurLast, hundert Dragoner blieben noch bis zum 18. August.Die Bürger erlagen fast dem Druck, yiele verliessen dieStadt, um sich anderwärts niederzulassen. Am 11. Sep-tember erlitt die Stadt einen gewaltigen Schaden durch einungewöhnlich starkes Hagelwetter.
Im Herbste gerieth der Magistrat in Conflict mit demStiftskapitel, das seine Privilegien geltend machte, als derRath in seiner Geldverlegenheit eine Steuer von 3 Markoder 5 Kreuzern von jedem Malter Getreide an den Stadt-thoren erhob. Das Kapitel wandte sich an den Erzbischofvon Köln und Bischof von Lüttich, Ferdinand, den Schützerseiner Privilegien: Dieser drohte der Stadt in wiederholtenErlassen, so am 4. Februar 1639, mit einer Strafsumme
') Um einen Begriff zu gewinnen von der Art und Weise, wiedie Soldateska während des unseligen dreissigjährigen Krieges mitden Bürgern und dem Landvolke verfuhr, muss man die dahin ein-schlagenden geschichtlichen Werke, z. B. Bartholds Geschichte desgrossen deutschen Krieges seit dem Tode Gustav Adolfs lesen.