244 Der dreissigjälirige und der Krieg in den Niederlanden.
auch nicht den Schein einer Hoheit sonderlich nicht inSachen der Religion für sich in Anspruch genommen habe.
Bei dem Widerspruch Kaiser Ferdinands II. gelang esden Generalstaaten ebensowenig, ihren Glaubensgenossenin der Herrschaft Burtscheid grössere Religionsfreiheit zuverschaffen.
In den ersten Jahren des dreissigjährigen Krieges(1618—1648) war der Nordwesten Deutschlands von denunmittelbaren Folgen desselben befreit geblieben; Böhmen,Oesterreich, die Pfalz und der Niedersächsische Kreiswaren der Hauptschauplatz desselben gewesen, der sichseit der Landung des Schwedenkönigs Gustav Adolf inPommern im Sommer 1630 von hier aus Uber das ganzemittlere Deutschland bis in Baiern hinein ausgedehnt hatte.Gleichzeitig mit dem Kriege in Deutschland war nachAblaufeines zwölfjährigen Waffenstillstandes von 1609 bis1621 der Krieg Spaniens gegen die Generalstaaten fort-geführt worden, in welchem Friedrich Heinrich von Nassaugrosse Vortheile vom Jahre 1625 bis 1633 erfochten hatte,bis der nach dem Tode der Infantin Isabella, welcher imDezember 1633 erfolgte, zum Statthalter der spanischenNiederlande erwählte Kardinalinfant Ferdinand, ein BruderKönigs Philipp IV. von Spanien, dem Vorrücken der Hol-länder ein Ziel setzte, was auch der Stadt Ächen Erleich-terung brachte. Indessen fehlte es dieser nicht an demUngemach des Krieges. Am 15. Januar 1636 erschien derOberst von Bredau mit zwölf Fähnlein spanischer Reiterund fünf Compagnien spanischen Fussvolks vor den Thorender Stadt und verlangte für seine Soldaten Winterquartierin derselben. Nachdem der grosse Rath ablehnend geant-wortet und beschlossen hatte, die Stadt zu vertheidigen,sandte er den Bürgermeister von Berchem nach Brüssel,um dem Kardinalinfanten Vorstellungen zu machen, dieindessen nichts fruchteten. Der Oberst, welchem für seinePerson der Zutritt zur Stadt gestattet worden war, hatteGelegenheit gehabt, deren fortifikatorische Schwäche kennenzu lernen, und, nachdem er von Limburg, das im Jahre 1635wieder in die Hände der Spanier gefallen war, und vonKaiserswerth Hülfe, herangezogen hatte, den 7. Februar amFusse des S. Salvatorsberges eine Batterie aufgepflanzt.