238 Gucciardini über Achen and seine Bewohner.
für die Achener nicht günstig ist. Er sagt an der sclionbezeichneten Stelle: Liittich ist abhängig (nämlich von sei-nem Bischöfe dem Prinz von Lüttich), Achen erfreut sichseiner Rechte und seiner Freiheit, beide stehen unter Schutzund Leitung des heiligen Reiches: in Lüttich spricht manFranzösisch, in Achen Deutsch: die Liitticher sind munter,witzig, aufgelegt und sehr gesprächig, die Achener schwcr-müthig, sehr rauh und streng und schwer zugänglich; miteinem Worte beide sind verschieden an Charakter, Lebens-weise, durch Gesetze und Gewohnheiten, fast in dem Gradewie Franzosen und Deutsche 1 ). Es wird nicht schwersein, in dem Bilde einen Charakter zu erkennen, wie eineaus heftigem Gegensatz hervorgegangene religiöse Aus-schliesslichkeit ihn ausprägt. Zum Glück entspricht dasBild dem Charakter der Achener nur noch in einzelnen,seltener werdenden Schichten. Wenn Achen, das sich wie-der ganz katholisch constituirt hatte, nicht wieder in dennächsten Jahrhunderten zur Blüthe gelangte,, so würde manUnrecht haben, dies auf Rechnung des katholischen Be-kenntnisses zu bringen; denn welches andere Bekenntnisshatten die unzähligen Städte des Mittelalters, welche soherrlich emporblühten? Es folgten unmittelbar nach demEnde der kirchlichen Bewegung in Achen die verhängniss-vollen Zeiten des dreissigjährigen Krieges, der mit derErniedrigung und Zerstückelung des deutschen Vaterlandesdie Machthöhe und den Uebermuth des westlichen Nach-barn begründete, der namentlich die Gebiete auf der linken
2 ) En premier lieu Liege est suiette, et Aix iouist de ses droitsde liberte, et toutes deux en la protection et sauuegarde du saintEmpire: au Liege on parle Frangais, et ä Aix on nse de la langueAlemande: les Liegeois sont gais, plaisants et recreatifs, et fort ac-eostables: ceux d'Aix sont melancoliques, fort rüdes, seueres, et diffi-ciles ä aeeointer: et en somme, ils sont difterents en naturel, fagonde vie, loix et coustumes presque autant que les Frangois et Alle-mans ont entre eux de difference qui n'est pas petite. Achener undLiitticher sympathisirten wenig. In Achen gilt noch heute derSpruch: Welsch Blot det gengen Oecher got, in den Rheinlanden derAusdruck: Nordwind, Achener Kind, Liitticher Blut, Thut selten gut.Karl Simrocks Deutsche Volksbücher, Frankfurt 1851, Band 5, S. 3,Nr. 49.
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