236 Achen nach den politischen und religiösen Wirren.
kauf der Erbgüter der Entfloheneu warnten, sandte Acliendenselben die von Wien aus am 16. März 1618 an fünfzigAusgewichene oder deren Erben ergangene kaiserlieheLadung, sich innerhalb zweier Monate unter Androhung kai-serlicher Ungnade und der Acht in Achen zur Verant-wortung zu stellen. Unter den Geladenen figuriren zweiNadelmacher, ein Beweis, dass deren Gewerbe in Achenfortbestand. Da die Geladenen nicht erschienen, wurde die.Gütereinziehung ins Werk gesetzt.
Zum 3. Jan. 1619 erschien Folgendes: „Auf BefehlEines Ehrbaren Raths des Königlichen Stuhls und Reichs-stadt Achen wird allen Reichsinwohnern und angehörendenUnterthanen ernstlich geboten, dass hinfüro Keiner, derunkatholisch gelebt und also dahingestorben, an einem ge-weihten Orte begraben werde; und da des also Verstorbenennächste Verwandte und Freunde solches verstatten oderbestellen würden, soll ein Jeder von ihnen und alle Andere,so dazu mitgegangen, in eine Boen von 50 Goldgulden demRath verfallen sein; wornach" sich ein Jeder zu richten.Nikolaus von Münster Sekretär." Dieses Edict wurde am7. Januar 1619 Sonntags zu Würselen, Weiden, Haren undden übrigen Reichsorten publicirt. Frotokollbuch des Wür-seler Sendgerichts.
So endeten, einzelne spätere Zuckungen ausgenommen,diese traurigen religiösen Händel. Achen blieb bis zurfranzösischen Occupation, gegen Ende des achtzehnten Jahr-hunderts, ausschliesslich katholisch. Stadt und Gebiet hat-ten zwei ereignissvolle Jahrhunderte durchlebt, das fünf-zehnte in politischer, das sechszehnte in religiöser Be-ziehung. Es kann kein Zweifel obwalten, dass beide Berio-den des Kampfes nachtheilig auf das Gemeinwohl einge-wirkt haben. In beiden Berioden standen die Bürgereiner und derselben Gemeinde in getrennten Lagern ein-ander feindselig gegenüber, anstatt ihre geistigen und ma-teriellen Kräfte dem gemeinsamen Ziele, der öffentlichenWohlfahrt zuzuwenden. Die zweite Benode erscheint umso trauriger, je bitterer und unversöhnlicher die Barteienin der wichtigsten Angelegenheit des Lebens sich bekämpf-ten. Im vierzehnten Jahrhundert war Achen, trotz ungün-