Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

224 Kath. Gesandtschaft n. Paris. Die Protestanten im Besitz A. Gewalt.

kleiclung. Sie sollten der Königin mündlich Bericht ab-statten und bei ihr anfragen, ob sie die Friedensartikelgutheisse. Im Anfange des folgenden Jahres Hess sie demRathe melden, dass sie dem Kaiser die Entscheidung über-lasse, was sich ohnedies von selbst verstand.

Die Protestanten hatten allmählich vollständig dieHerrschaft über Stadt und Gebiet in ihre Hand genommen,am 13. Dezember 1611 den Bürgermeistern durch Notarund Zeugen befohlen, keine Amtshandlung ferner vorzu-nehmen, den Rathsherren untersagt, sich anders denn alsPrivatleute zu benehmen, den Amtsdienern verboten, fernerzu fungiren, und unter Androhung schwerer Strafe dasVerbot verkündet, die Stadt zu verlassen. Die Lage derKatholiken wurde von Tag zu Tage peinlicher. So er-laubten sich die niederen Schichten der protestantischenBevölkerung in der h. Christnacht mit aufgeschraubter Lunte,unter dem Yorwande, Nachsuchung zu halten, die Lipbfrauen-und Augustinerkirche zu betreten und den betenden Frauenunter die Augen zu leuchten.

Die neue Regierung suchte durch Herbeiziehung vonTruppen sich zu sichern. Der vom Ausschuss mit In-struktion am 10. Januar 1612 nach Cleve entsandte JakobEngelbrecht kehrte am 15. desselben Monats zurück, undan demselben Tage traf von Jülich eine kurbranden-burgische Compagnie unter dem Hauptmann von Barlebenin Achen ein und wurde in den Hauptstrassen einquartiert.Am 28. Januar wurden die Fremden aus der Stadt ge-wiesen und am 30. die Wachen verstärkt und auch diekatholischen Rathsverwandten zu denselben gezwungen. Inden darauf folgenden Tagen war Musterung der Bürgerauf der Halle, wo Jeder in die Hand des Johann Kalck-berner Treue und Ausdauer geloben musste.

Zwei rasch nach einander erfolgende Todesfälle, desKaisers Rudolf II. am 20. Januar und des KurfürstenErnst von Köln am 18. Februar 1612, gaben den Protestan-ten neue Zuversicht, die nun ihren Versammlungsort, dieKupferschlägerleuve, aufgaben und den Sitzungssaal aufdem Rathhause ausschliesslich in Besitz nahmen. Achenwar überhaupt nun vollständig im Besitz der Protestanten,