Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
221
Einzelbild herunterladen
 

Der Kaiser verlangt Wiederherstellung der alten Verhältnisse. 221

Papst und Venedig den Frieden wieder hergestellt habe,so wolle sie, ohne der Autorität des Kaisers oder andererFürsten zu nahe zu treten, in Achen Frieden und Einigkeitzurückführen. Die Franzosen luden demnach am 1. Oktoberdie streitenden Parteien zu einer Besprechung in ihrerHerberge ein. Nach wiederholten Berathungen, zu denenweder kölnische noch jülichsche Commissarien zugezogenworden waren, legten sie dem Rath am 12. Oktober fol-gende Artikel vor: 1) Der katholische Rath wird wiedereingesetzt, 2) die Jesuiten werden zurückberufen, 3) diePredigten und Religionsübungen ausserhalb der mittlerenStadt sind zugelassen, 4) die Protestanten können künftigin den Rath gewählt werden, 5) die Stadtschlüssel werdenbeiden Religionen anvertraut, 6) das Archiv und andereGeheimnisse des Raths werden vor den Jiilichschen Com-missarien im Beisein der Akatholischen untersucht, 7) inallen Streitigkeiten zwischen dem Rath und den Protestan-ten entscheidet in Zukunft Jülich. Während die KatholikenAnstand nahmen, die Artikel anzunehmen, erfolgte unterdem 1. Oktober von Prag aus ein Befehl Kaiser Rudolfs,bei Strafe der Acht, Alles wieder in den vorigen Standzu setzen. Der Befehl enthält die uns bekannten Ereig-nisse seit dem 5. Juli, hebt aber noch den Ungehorsamder Protestanten hervor, welcher diesen Ereignissen vorher-ging, indem sie meist bewaffnet auf jülichschem Gebietegegen das Verbot des Raths die Predigt regelmässig be-suchten. Auch hebt das Aktenstück, wie die meisten ähn-lichen, das Heranziehen so vieler fremden Glaubensgenossenhervor. Zu Commissarien ernannte der Kaiser den Kur-fürsten von Köln und Bischof von Lüttich, Ernst, und denErzherzog Albrecht von Oesterreich. Die Subdeligirtendieser Fürsten, von Werp u. s. w., wollten den Protestantenden Befehl vorlesen, diese verweigerten aber, ihn anzuhören.Als ein Diener der Subdeligirten das Mandat anheftenwollte,' wurde er ergriffen, verwundet und zum Ratli-haus geführt. Dasselbe Schicksal hatte der Stadt-.Schreiber Nikolaus Münster, den man ins Elisabeth-spital abführte. Während die Deputirten ihre Sitzungenauf dem Rathhause hielten, kam der katholische Rath am