Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Aussterben des Jülichschen Hauses.

207

Michael Klöcker als verdächtig durch Soldaten bewachenlassen. Die Protestanten benutzten die Gelegenheit, umeinzelne Zugeständnisse in Bezug auf Taufe, Ehe und Be-gräbniss vom Sendgerichte zu erlangen. Das Sendgerichtmusste eine Zeit lang seine Sitzungen einstellen.

Nach der Beilegung des jülichschen Streites herrschteiu Achen Gährung und Entzweiung der Gcmiithcr fort: wäh-rend die Bürger unter sich haderten, bestand zwischenRath und Regierung Uneinigkeit. Da trat ein Ereignissein, welches nicht blos für ganz Deutschland folgenschwerwar, sondern auch für Achen verhängnissvoll wurde. Vonden drei katholischen Regentenhäusern in Deutschland, demhabsburgischen, dem jüngeren wittelsbach'schen oder baie-risclien und dem jülichschen starb das letztere mit JohannWilhelm am 25. März 1609 aus. Aus den Jülichschen Gau-grafen waren im Laufe der Zeit mächtige Herzoge gewor-den, deren Gebiet von den Thoren Achens (Schoenforst) biszu den Ufern der Weser sich erstreckte, Jülich, Cleve,Berg als Herzogthiimer, Mark, Ravensberg als Grafschaftenumfasste. Da unter mehreren Prätendenten die Erbberech-tigung streitig war, legte Kaiser Rudolf Sequester auf dasErbe und sehickte seinen Vetter, den Erzherzog Albrecht,Bischof von Strassburg und Passau, um das Land in vor-läufigen Besitz zu nehmen. Der Amtmann von Reuschen-berg öffnete diesem Stadt und Festurg Jülich. Unter diesenUmständen vereinigen sich die beiden Hauptprätendenten,Markgraf Johann Sigmund von Brandenburg und Wolf-gang von Pfalzneuburg zu gemeinsamem Handeln, jener derGemahl der Tochter der ältesten Schwester, dieser Sohneiner jüngeren Schwester des Erblassers, unterstützt vonFrankreich, den Staaten Hollands und den protestantischenReichsfürsten, belagern Jülich und nehmen es AnfangsSeptember 1610 ein.

Durch die Nachbarschaft der beiden protestantischenFürsten ermuthigt, begnügten die Achener Protestanten sichnicht mehr an den ihnen zugestandenen drei Punkten, son-dern verlangten Aufhebung der Sendgerichtsbarkeit, unbe-dingte Zulassung zu den Zünften und Aemtern und Entfer-nung der Jesuiten. Nach zweijährigem Aufenthalt in Achen