190
Die Reaction.
seine Gattin zur grossen Trauer ihrer katholischen Mit-bürger.
Am 1. September wurde der neue Rath durch die Com-missarien vereidet. Darauf wählte man zu Bürgermeisternden Albert Schrick und Jakob Moll. Herbeigerufene pro-testantische vormalige Regierungsmitglieder baten kniendum Gnade, gelobten dem kaiserlichen Urteilsspruche nichtentgegen zu handeln, versprachen den Katholischen Entschä-digung und wurden von der Acht befreit.
Am 17. September wurde die Wohnung des entflohe-nen Bonifaz Colin von Soldaten besetzt, seine Papiere mitBeschlag belegt und den Bürgern unter Todesstrafe ver-boten, ihn zu beherbergen. An die Stelle des kurz daraufan einer Seuche gestorbenen Bürgermeisters Schrick wurdedrei Tage später Wilhelm von Wylre gewählt.
Die zur Gewalt Zurückgekehrten ergriffen nun Mass-regeln, welche von der Erbitterung der Gemüther zeugen. Somussten Diejenigen, besonders die Weinwirthe, welche nachVerkündigung der Acht die Accise bezahlt hatten, dieseunter Androhung des Gefängnisses von neuem zahlen, unddie Rathsbeamten die am 25. August verfallene und ihnenausgezahlte Besoldung zurückzahlen. Die einzelnen Zünftemussten den Bürgermeistern Treue und Gehorsam geloben.Am 30. September wurden die in der Stadt sich aufhalten-den Prediger aufgefordert, dieselbe zu verlassen. Dannliess der Rath von den Kanzeln die Katholiken auffordern,ihm schriftlich die Verluste einzureichen, welche sie in denReligionswirren seit dem Jahre 1581 erlitten hatten.
Am 2. Oktober wurde der Syndicus Mann vor denRath citirt und aufgefordert, alle Papiere, die er in Bezugauf die religiösen Angelegenheiten in Händen hatte, aus-zuliefern. Da er Bedenkzeit verlangte, wurde der Vogt-meier in die Versammlung berufen und gebeten, ihn inHaft zu nehmen, was auch geschah, sobald er den Raths-
') Bald nachher hatte der Bischof von Lüttich seinen Suft'raganAndreas Stregnard und den Johann Chapeaville nach Achen geschickt,um die lange Jahre ausgesetzte Firmung wieder vorzunehmen.