Zwiespältige Wahl der Bürgermeister. Aufruhr. 171
Ehre und Gehorsam erwiesen werden. Als am 30. Mai dieCommissarien vor versammeltem Rathe die Protestantenaufforderten, ihre Aemter niederzulegen, die Schlüssel derStadt und des Aerars oder der Stadtkasse abzugeben, wiedie Katholiken dies gethan hätten, brach ein gewaltigerVolksaufstand aus. Dem alten und wahren Rathe wurdendie Schlüssel der Stadt, der Stadtkasse, des Zeug- undRathhauses abgenommen. Markt, Stadtwälle, Thürme, Vor-werke füllen sich theils mit einheimischen, theils mit von
Aussen herbeigezogenen Bewaffneten, lärmend durchziehtman dio Strassen und schleppt das Geschütz auf den Markt.Alle Ehrfurcht vor der kaiserlichen Majestät und den gegen-wärtigen Gesandten wird ausser Acht gelassen. Als dieAufregung mit jedem Tage stieg, von den Katholiken derEine getödtet, der Andere misshandelt und verwundet wirdund Alle für ihr Leben fürchten, verlassen viele Rathsherrenund ruhige Bürger Stadt und Besitz und wandern aus. Dadie Neuerer kein Zutrauen zur Dauer ihrer Einrichtungenhatten, hoben sie die frühere Bürgermeisterwahl auf undwählten, den Kaiser zu beschwichtigen, am 5. Juni ausihrer Partei den Johann Luntzen und aus der katholischenden Johann Fibus zu Bürgermeistern. Auf den scharfenBericht der Commissarien' schrieb der Kaiser einen Briefstrengen Inhaltes, versprach aber doch Nachsicht, wenn dieNeuerer den eingedrungenen Magistrat entfernten, alle Neue-rungen abstellten, die Vertriebenen oder aus Furcht Aus-gewichenen zurückriefen und die aus anderen Orten wegenVerbrechen Verjagten nebst den Verkündigern der neuenLehre vertrieben. Sei dies geschehen, dann sollten sieeine Gesandtschaft an ihn abordnen, welche die in andert-halb Monat erfolgte Unterwerfung melde. Erfolge diese,so würde er gnädig sein, in anderem Falle drohte er mitEntziehung aller Privilegien und mit der Acht. Die Neuerererliessen darauf zwei Bekanntmachungen des Inhaltes, manmüsse nun alle Zwietracht und Anfeindung vergessen, dieWaffen niederlegen und zu den friedlichen Beschäftigungenzurückkehren. Die erste ging aus ihrer Offizin hervor, dieandere vom 4. Oktober unter dem Namen der Bürger-meister, Schöffen und Magistrat von Achen ging eigentlich