Heiligthumsfahrt des Philipp von Vigneulles.
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men. Den grössten Tlieil des Tages über durchwandertenwir die Stadt, besuchten deren Kirchen und erwartetendie Stunde, wo die Kleinodien und die'hli. Reliquien ge-zeigt werden. Diese zu sehen war eine so ungeheureMenschenmenge gekommen, dass solche, die nie dagewesensind, es kaum glauben werden. Jeder suchte einen mög;liehst guten Platz zu erlangen. Die Häuser um dieKirche waren alle mit Menschen angefüllt, und grossehölzerne Gerüste waren an denselben aufgebaut, dass eszum Verwundern war. Für unser Geld Hess man uns ineines dieser Häuser ein, von wo wir die Reliquien sehenkonnten. Wir hatten die Aussicht auf den Platz und aufdie eine Seite der Kirche. Vor uns sahen wir nur Kopfan Kopf und auf den Dächern war es ebenso."
„Als die Stunde nahte, begann man mit den grossenGlocken zu läuten. Dann kam ein ehrwürdiger Prälat,von mehreren Geistlichen begleitet, und sie gingen auf denin der Hübe befindlichen offenen Gallerien um die Kircheherum. An den Stellen, wo die Heiligthümer gezeigt wer-den, blieb er stehen, hielt eine kleine Anrede, sprach dieallgemeine Beichte und empfahl darauf, für unsern heiligenVater, den Papst, und für die gesammte Geistlichkeit zubeten, und hiernach für den Kaiser und für alle Fürstenund Herren, besonders für die Herren des Landes, welchedas Land in Frieden und die Pässe gesichert erhalten,und dass den Pilgern kein Leids widerfahren möge, undauch viele andere schöne Gebete uud Ermahnungen. Nach-dem er geendet und sich entfernt hatte, erblickte manviele angezündete Kerzen und Fackeln, und hinter ihnenkam eine Menge Geistliche in reichen Gewändern und mitkostbaren Kreuzen, mit Weihwasserkesseln und prächtigenRauchfässern von Gold und Silber. Sie bewegten sich inschöner Ordnung gedachte Gallerie entlang, in ihrer Mittezwei Prälaten, in Gold und Silberstoff gekleidet, welcheauf ihren Schultern einen langen, lanzenähnlichen vergol-deten Stab trugen, auf dem das kostbare und verehrens-werthe Gewand Unserer lieben Frauen mehrfach gefaltething. Sie trugen es, wie man eine Tragbahre trägt. Ueberdem Kleide hing ein kostbares ßeidentuch, das wiederum