108 Heiligthumsfahrt des Philipp von Vigneulles.
Bürger von Metz verliess die Heimath in Begleitung vonetwa 16 Mann zu Pferde am Tage der heiligen Margaretha,den 13. Juni, den grossen Ablass in Aclien, der von siebenzu sieben Jahren wiederkehrt, zu gewinnen, lieber Thion-ville, Luxemburg u. s. w. gelangte die Gesellschaft nachMastrieht und begab sich von hier nach Achcn. „Wirwollten, so erzählt der Metzer, auf den Abend in Acheneintreffen. Unterwegs fanden wir so viele Menschen, dasses zum Verwundern war. Als wir auf die Höhe gelangten,von der man auf Achen hinabblickt, schien es uns, dieganze Kirche stehe in Feuer und Flammen; so gross wardie Zahl der Lampen, die um die Kirche brannten. Eswar fast Nacht, und so leuchteten diese Lampen um soheller, und alle grossen Glocken läuteten, und es war einherrlich Ding, dieses auf dem Berge zu sehen und zuhören. Die Veranlassung zu diesem Freudenfeuer war,dass am folgenden Tage die Kirchweihe des Münsters be-gangen wurde: deshalb war sie von Innen wie von Aussenbeleuchtet; die grossen Glocken hallten, und die Orgel er-tönte. Als wir die Stadt erreichten, war es Nacht, manwies uns hierhin, dorthin, und über eine Stunde irrten wirumher, ohne eine Herberge finden zu können. Und dochwaren vier oder fünf mit uns, die in Achen viel Bekannt-schaft hatten. Endlich wurden wir, so gut es ging, unter-gebracht."
„Am folgenden Tage in der Frühe hörten wir in derKirche die h. Messe und brachten ixnsere Opfergaben dar.Einige von uns gingen auch zur Beichte. Die Zahl derBeichtenden war jedoch so gross, dass einer den anderndrängte, und man sich nicht niederknien konnte. DasGedränge war so entsetzlich und die Menschenmenge sogross, dass man meinte, die Leute müssten umkommen.Nur mit der äussersten Mühe konnte man zu den Altärengelangen, und die Kirchendiener hatten Säckchen an langenStangen befestigt, die Gaben einzusammeln. Denn anderswäre es unmöglich gewesen, dem Einzelnen nahe zu kom-
gai-t 1852 S. 173 flg. Wir geben denselben nach Floss, die AchenerHeiligthümer, S. 208 Hg.