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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
Seite
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sehen Charakter der Renaissance erkannt. Und schon in der Vor-rede zur Buchausgabe jener Untersuchungen von 1893 bezeichneich diese in einem von dem gekürzten Wiederabdruck in meinem'Vorspiel' ausgelassenen Satz (S. III) als denVersuch, insbesondereauf das ausgehende Mittelalter, die Zeit, in der die beiden Grund-mächte der modernen Welt, Renaissance und Reformation geborenwurden, mittels genauerer Betrachtung der literarischen Über-lieferung ein neues Licht zu werfen". Die Bedeutung und Ge-schichte des Worts Renaissance und des Begriffs der Wieder-geburt hatte ich damals überhaupt noch nicht ins Auge gefaßt.Immerhin glaube ich: die Ideengeschichte darf der Wortgeschichte,d. h. der Geschichte der die Ideen ausdrückenden Schlagworteniemals ganz entraten, vielmehr sich ihrer als des zunächst-liegenden Hilfsmittels bedienen, ohne sich jedoch mit ihr zuidentifizieren.

Voßler fühlt ein gewisses Unbehagen vor meinemüber-schäumenden Renaissancebegriff" (Literaturbl. f. germ. u. roman.Philolog. 1919, Sp. 3) oder wie er es in der zweiten Ausgabeseines Dantewerks (Heidelberg, Winter, 1925, I 1, S. 261 Anm. 2)noch freundlicher ausdrückt, vor meinemetwas emphatischenRenaissancebegriff". Auch diesem Urteil gegenüber habe ich indem angeführten Aufsatz 'Dante und das Problem der Renaissance'(Deutsche Rundschau 1924, Märzheft S. 260f.) darzulegen ver-sucht, daß ich die Mängel und Schwächen der Renaissancekultur,namentlich in ihrer späteren Entwicklung, nicht verkenne, aberdie Größe und Macht ihrer umwälzenden Wirkung und ihrerhohen künstlerischen Hervorbringungen nur zu begreifen vermagaus der starken seelischen Schwungkraft, der ihre Anfänge ent-sprangen und die in ihr niemals ganz erlosch.

Dem muß ich aber hier ergänzend noch eins hinzufügen. MeineForschungen über die neuhochdeutsche Sprache und Bildunggingen aus von meiner 1881 mit dem Preise der Grimmstiftunggekrönten, bisher Manuskript gebliebenen Schrift über dieSprache des jungen Goethe. In Goethes Geniesprachesehe ich die Überwindung des sprachlichen Ideals und der Sprach-