offenbar die Bedeutungsgeschichte des Worts im Spiele, . . . dieaber keineswegs identisch ist mit der Geschichte der Sache."
Dieser leise Einwand Voßlers gegen eine Einzelheit meinerRenaissancetheorie wird nun in Joseph Körners Anzeigemeines Buchs 'Reformation Renaissance Humanismus' (Literaturbl.f. germ. u. rom. Phil. 1922, Jahrg. 43, Sp. 157£.) verallgemeinertund dadurch verschärft: „Aber auch gegen die Methode Burdachserheben wir Bedenken: er vertraut der Wortgeschichte zu vielund weil das Wort, das Bild von der Wiedergeburt aus mystischenKreisen stammt, sieht er keine anderen als religiöse und mystischeUrsprünge der Renaissance."
Gegen Voßler wie gegen Körner muß ich hier mit Nachdruckhervorheben: aus mystischen Kreisen im eigentlichen Sinnehabe ich niemals die Renaissance abgeleitet. Auch nicht, wieHenry Thode es tat, direkt aus der Franziskanischen Be-wegung. Wohl aber aus religiöser Sphäre, in der das Wieder-geburtsbild humanisiert lebendig war, und aus der Auf-lockerung des Gefühls, die als Folge der FranziskanischenStrömung weitere Kreise ergriff. Es gehört zu den meine wirk-liche Auffassung entstellenden Mißverständnissen mehrerer Kri-tiker meiner Schriften, wenn sie behaupten, daß meine geschicht-liche Herleitung der Renaissance sich mit Thodes Ansicht decke.Im Gegensatz zu dieser habe ich vielmehr stets betont, daß dieRenaissance von Anfang an der asketischen WeltentsagungWiderstand geleistet hat.
Gegen Voßlers Befürchtung, ich könnte die Bedeutungs-geschichte des Worts mit der Geschichte der Sache gleichsetzen,habe ich mich, wie ich glaube, mit guten Gründen gewehrt inmeinem Aufsatz 'Dante und das Problem der Renaissance'(Deutsche Rundschau 1924, Märzheft S. 265 f.). Jedesfalls habeich die Hauptzüge meiner Renaissanceauffassung schon in meinem'Reisebericht' von 1899 (Abh. d. Pr. Akad. d. Wiss. 1903 = 'Vor-spiel' II x, S. 178—186) ausgesprochen und bereits 1891 bzw.1893 in der ersten Bearbeitung meines Werks 'Vom Mittelalterzur Reformation' das religiöse Element und den nationalitalieni-
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